Klimaziel von 1,5 Grad wird laut UN deutlich verfehlt
Die Erde wird sich bis zum Ende des Jahrhunderts voraussichtlich um 2,8 Grad Celsius im Vergleich zur vorindustriellen Zeit erwärmen, wenn die aktuelle weltweite Klimapolitik unverändert bleibt. Das geht aus dem neuen „Emissions Gap Report“ der Vereinten Nationen hervor, wie der Tagesspiegel und t-online berichten. Jeder Bruchteil eines Grades über 1,5 Grad erhöhe das Risiko für tödliche Fluten, Hitzewellen und Waldbrände, warnte Inger Andersen, Direktorin des UN-Umweltprogramms (UNEP). Die Weltgemeinschaft hatte 2015 im Pariser Abkommen beschlossen, die Erderwärmung möglichst auf 1,5 Grad zu begrenzen und spätestens bei zwei Grad zu stoppen, um die schlimmsten Folgen des Klimawandels abzuwenden.
UN-Prognose: Erde erwärmt sich um 2,8 Grad
Die Prognose von 2,8 Grad stellt eine Verschlechterung gegenüber dem Vorjahr dar. Damals lag die Schätzung noch bei bis zu 2,5 Grad, wie t-online und n-tv übereinstimmend melden. Selbst wenn alle Länder ihre angekündigten Klimaschutzmaßnahmen umsetzen, würde sich die Erde laut UN-Berechnung bis 2100 um 2,6 Grad erwärmen. Im optimistischsten Szenario, in dem alle Klimapläne und Neutralitätsziele erreicht werden, wäre eine Erwärmung von 2,1 Grad zu erwarten. Der Rückzug der USA aus ihren Klimaschutzplänen unter Ex-Präsident Donald Trump wird als einer der Gründe für die Verschlechterung genannt, da die USA nach China der zweitgrößte Verursacher von Treibhausgasen sind.
Welt überschreitet erstmals 1,5-Grad-Marke
Das 1,5-Grad-Ziel gilt zwar noch nicht offiziell als gescheitert, da dafür eine langfristige Überschreitung der Marke nötig wäre. Doch die Welt befindet sich auf dem Weg dorthin: Der EU-Klimawandeldienst Copernicus sieht für die Jahre 2023 bis 2025 erstmals eine durchschnittliche Erwärmung von mehr als 1,5 Grad gegenüber dem vorindustriellen Zeitalter, wie alle drei Quellen berichten. Experten gehen mittlerweile überwiegend davon aus, dass das Ziel nicht mehr gehalten werden kann. Die Hoffnung richtet sich nun darauf, das Überschreiten der 1,5-Grad-Marke so kurz wie möglich zu halten und die Emissionen so weit zu senken, dass die Temperatur wieder sinkt.
Guterres warnt vor Klimaziel-Verfehlung
UN-Generalsekretär António Guterres betonte, eine Überschreitung bedeute keine Kapitulation. „Wir können sie immer noch so gering und so kurz wie möglich halten – und die Temperaturen bis zum Ende des Jahrhunderts wieder unter 1,5 Grad senken“, zitiert der Tagesspiegel. Der Bericht zeigt jedoch die Herausforderungen auf: Um das Ziel zu erreichen, müssten die weltweiten Treibhausgasemissionen bis 2030 um 18 Prozent, bis 2035 um 45 Prozent und bis 2040 um 69 Prozent sinken – jeweils im Vergleich zum Niveau von 2025. Selbst bei Umsetzung aller geplanten Maßnahmen würden die Emissionen bis 2030 nur um bis zu 8 Prozent und bis 2035 um bis zu 15 Prozent sinken.
CO₂-Entzug nötig für Klimaziele
Zusätzlich müssten große Mengen CO₂ aus der Atmosphäre entzogen werden, was unter Klimaforschern als unverzichtbar gilt, aber mit enormen technologischen und finanziellen Hürden verbunden ist. UNEP-Direktorin Andersen verwies dennoch auf Erfolgsgeschichten: Seit dem Pariser Klimaabkommen hätten die erneuerbaren Energien etwa dreimal so schnell zugelegt wie damals erwartet. Sie forderte die Staaten auf, dringend Maßnahmen für schnelle und nachhaltige Emissionssenkungen zu ergreifen, um die Welt auf den Weg zu einem stabileren Klima zu bringen.
Im November trifft sich die Weltgemeinschaft in Antalya zur Weltklimakonferenz, um über Lösungen zu beraten. Die USA werden unter der aktuellen Regierung nicht teilnehmen, da sie unter Trump erneut aus dem Pariser Abkommen ausgestiegen sind. Seit Beginn des Abkommens vor zehn Jahren hat sich die jährliche Erwärmungsprognose jedoch bereits verbessert: Damals ging man noch von 3 bis 3,5 Grad aus, wie n-tv und t-online übereinstimmend berichten.