Bakterielle Infektion und Hunger als wahrscheinliche Ursachen für den Tod des Wals.
Ein etwa zehn Meter langer Buckelwal, der vergangene Woche tot im Greifswalder Bodden treibend entdeckt wurde, ist vermutlich an einer bakteriellen Infektion gestorben. Dies geht aus vorläufigen Untersuchungsergebnissen des Deutschen Meeresmuseums in Stralsund hervor, wie die Ostsee-Zeitung berichtet. Demnach bestehe der Verdacht auf eine Sepsis, also eine Blutvergiftung, die durch mehrere eitrige Abszesse im Körperinneren ausgelöst wurde. Äußere Verletzungen durch Schiffsschrauben oder Fischernetze konnten die Wissenschaftler ausschließen.
Tödliche Abszesse schwächten den Wal
Stattdessen fanden sie im hinteren Rückenbereich zwei rundliche Öffnungen, durch die ein Abszess von innen nach außen durchgebrochen war. Weitere Eiterherde entdeckten sie entlang der Wirbelsäule und am Kugelgelenk der rechten Brustflosse. Der Ernährungszustand des Tieres war zudem schlecht: Magen und Darm waren leer, die Fettschicht maß nur sechs Zentimeter, was auf eine längere Hungerphase hindeutet. Die Haut des Wals zeigte großflächige rotbräunliche Verfärbungen, und die obere Hautschicht fehlte teilweise.
Obduktion unter extremen Bedingungen
Die Obduktion fand unter schwierigen Bedingungen statt, da sich der Kadaver durch Fäulnisgase bereits aufgebläht hatte und die Hitze die Arbeit der 13 beteiligten Wissenschaftler erschwerte. Nach Angaben des Museums könnte es sich bei dem toten Wal um jenes Tier handeln, das in den Wochen zuvor mehrfach in Küstennähe gesichtet wurde – zunächst vor Kiel, dann im Hafenbecken von Wismar, vor dem Ostseebad Wustrow und zuletzt nahe dem polnischen Badeort Międzyzdroje. Einen hundertprozentigen Nachweis gebe es jedoch nicht, so eine Sprecherin des Museums. Die Abszesse saßen an Stellen, die der Wal zum Schwimmen benötigte, was die auffällige Haltung erklären könnte, die bei den Sichtungen beobachtet wurde.
Seltene Strandungen in der Ostsee häufen sich
Buckelwale verirren sich nur selten in die Ostsee, die nicht zu ihrem natürlichen Lebensraum gehört. Es ist bereits der zweite Buckelwal in diesem Jahr, der in den Küstengewässern Mecklenburg-Vorpommerns gefunden wurde. Im Frühjahr strandete ein zwölf Meter langes Tier vor der Insel Poel und wurde später tot vor der dänischen Insel Anholt angespült.