Trotz Lehrermangels und schlechter Pisa-Ergebnisse wechselten in Deutschland allein im August 2026 Tausende Lehrkräfte aus sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung in die Arbeitslosigkeit. Das geht aus Antworten des Bundesarbeitsministeriums auf eine schriftliche Frage der Linksfraktion hervor, über die die "Rheinische Post“ (Freitagsausgabe) berichtet.
Mehr als 9.200 Zugänge seit Jahresbeginn
Im August 2026 wurden bundesweit 3.772 Lehrkräfte arbeitslos gemeldet, davon 545 in Bayern. Schon im Juli waren es 1.771. Von Januar bis August summierten sich die Zugänge auf über 9.200. Dem standen zwischen Januar und Juni nur knapp 3.400 Abgänge aus der Arbeitslosigkeit in den Lehrerberuf gegenüber.
Das Bundesarbeitsministerium beruft sich auf Zahlen der Bundesagentur für Arbeit. Aktuellere Daten als bis August für Zugänge und Juni für Abgänge lägen nicht vor.
Gohlke kritisiert Praxis
Die Linken-Bundestagsabgeordnete Nicole Gohlke bezeichnete die Praxis als „unwürdige Praxis der Sommerarbeitslosigkeit“. Die Pisa-Ergebnisse seien „so schlecht wie seit Jahrzehnten nicht, Schulen suchen händeringend nach Fachkräften. Trotzdem werden in den Bundesländern noch immer Tausende angehende und befristet beschäftigte Lehrkräfte über die Sommerferien in die Arbeitslosigkeit geschickt“, sagte sie der „Rheinischen Post“.
Das sei "angesichts des Personalmangels an unseren Schulen vollkommen unverständlich", kritisierte Gohlke. Bildung gehöre als Gemeinschaftsaufgabe ins Grundgesetz, "damit Bund und Länder sie dauerhaft gemeinsam finanzieren können".