Zugvögel stärken sich für die Reise Richtung Süden
Im Tister Bauernmoor zwischen Bremen und Hamburg versammeln sich derzeit Tausende Kraniche, um sich für ihren Zug in die Winterquartiere zu stärken. Die Vögel nutzen die umliegenden Wiesen und Felder als Rastplatz, wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) berichtet. Das Naturschauspiel zieht nicht nur Naturfreunde an, sondern auch engagierte Vogelbeobachter wie den Berliner Polizisten Christian Kessler. Der 56-Jährige verbringt seine Freizeit damit, die Tiere zu zählen und ihre Bruterfolge zu dokumentieren, wie die Welt schreibt. Seine Beobachtungen fließen in den Kranichschutz ein und helfen, Daten für Naturschutzplanungen und europäische Berichte zu sammeln. Kessler, der tagsüber als Präventionsbeauftragter an Berliner Schulen gegen Messergewalt arbeitet, sieht in der Vogelbeobachtung einen Ausgleich zu seinem anstrengenden Berufsalltag.
Kraniche zeigen Trauer und Freude
Besonders fasziniert ihn das Verhalten der Kraniche, die er als emotional und komplex beschreibt – etwa wenn sie nach langer Reise ihr Brutgebiet erreichen und scheinbar vor Freude springen und mit den Flügeln schlagen. Auch traurige Beobachtungen, wie der Tod eines jungen Kranichs während der Geflügelpest, haben ihn geprägt. Die Familie des Vogels blieb tagelang in seiner Nähe, bis er verendete. Solche Erlebnisse bestärken Kessler in seiner Überzeugung, dass Kraniche Gefühle empfinden können. Doch nicht nur positive Beobachtungen prägen die Arbeit der Ehrenamtlichen. Wie die Tagesschau berichtet, wurde die vergangene Saison in Brandenburg von der Vogelgrippe überschattet.
Vogelgrippe tötet tausende Kraniche
Mehrere Tausend Kraniche starben an den Folgen des aviären Influenzavirus H5N1. Auch in diesem Jahr warnen Experten des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) vor einem steigenden Risiko für weitere Ausbrüche, wie die Welt weiter schreibt. Ob die Kraniche in dieser Saison weniger anfällig für das Virus sind, ist unklar. Es gebe dazu keine verlässlichen Daten, so die FLI-Sprecherin. Gleichzeitig machen Naturschützer auf langfristige Gefahren aufmerksam. Ralf Donat von Kranichschutz Deutschland verweist auf einen Rückgang des Nachwuchses in den letzten fünf bis zehn Jahren, der vor allem auf die zunehmende Trockenheit durch den Klimawandel zurückzuführen ist.
Klimawandel bedroht Kranich-Nester
Moorgebiete trocknen früher aus, was den natürlichen Schutz der Nester vor Fressfeinden wie Füchsen und Wildschweinen verringert. Zudem werden geeignete Rastplätze knapper. Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern zählen zu den bedeutendsten Rastgebieten in Deutschland, wie upday berichtet. Allein in Brandenburg versammeln sich zur Hauptzugzeit bis zu 150.000 Kraniche. Die Daten der Ehrenamtlichen sind daher von großer Bedeutung für den Schutz der Art.