Arbeitsplätze in Gefahr: Große Demo gegen geplante Schließung
In Siegen haben am Wochenende mehrere tausend Menschen gegen die geplante Schließung des Stahlwerks im Stadtteil Geisweid demonstriert. Die Polizei sprach von rund 3.500 Teilnehmenden, die mit Trillerpfeifen und Plakaten durch die Stadt zogen, wie der WDR berichtet. Die Deutsche Edelstahlwerke (DEW) planen, die Stahlproduktion ab Mitte 2028 zu „pausieren“, was nach Angaben der IG Metall bis zu 400 Arbeitsplätze direkt gefährden würde. Die Gewerkschaft warnt zudem vor weiteren 600 betroffenen Stellen im Walzwerk und indirekten Folgen für bis zu 3.000 Jobs in der Region.
Stahlwerksschließung trifft Siegerland hart
"Ein Stahlwerk ist kein Lichtschalter, den man einfach ausknipst und Jahre später wieder einschaltet", betonte Siegens Bürgermeister Tristan Vitt (SPD) bei der Kundgebung. Er kritisierte die Pläne scharf und unterstrich die historische Bedeutung des Standorts für die Stadt und ihre Bewohner. Auch NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur (Grüne) und der Landrat des Kreises Siegen-Wittgenstein, Andreas Müller (SPD), zeigten sich solidarisch mit den Beschäftigten.
DEW plant Standortwechsel trotz Protesten
Die DEW begründet die geplante Umstrukturierung mit anhaltenden wirtschaftlichen Herausforderungen wie hohen Energiekosten und sinkendem Marktvolumen, wie es in einer Mitteilung des Mutterkonzerns Swiss Steel heißt. Die Umstrukturierung soll zwei Jahre dauern und sieht vor, dass Witten zum zentralen Standort für Spezialstahl wird, während die Werke in Hagen und Krefeld verkauft werden sollen. Die IG Metall, die die Demonstration organisiert hatte, sieht in der angekündigten „Pause“ jedoch ein dauerhaftes Aus für die Stahlproduktion in Siegen. "Das Stahlwerk ist Teil der DNA von Siegen", sagte Andree Jorgella, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Siegen.
Tradition und Fachwissen drohen verloren zu gehen
Er verwies auf die langjährige Tradition der Stahlherstellung im Siegerland und die Sorge, dass Fachkräfte und Wissen unwiederbringlich verloren gehen könnten. Bereits 1993 hatte ein 72-tägiger Arbeitskampf die Schließung des Werks verhindert – damals auf Kosten von rund einem Drittel der Belegschaft. Einige langjährige Mitarbeiter wie Marco Bechtel zeigten sich nun erneut kämpferisch, aber auch erschüttert: "Ein Stahlwerk pausieren lassen, das ist wie das halbe Herz herausreißen – da stirbt die andere Hälfte auch."