Ausgerechnet direkt nach Sturm Luise und am Tag, bevor das Tiefdruckgebiet Manja heranrauschte, jaulten im Osnabrücker Natruper Holz die Kettensägen, und Baum um Baum wurde gefällt. „Waren das alles Sturmschäden?“, fragte eine Leserin der HASEPOST – auch weil der Samstag nicht unbedingt der bevorzugte Arbeitstag eines städtischen Betriebs ist. Aber tatsächlich: Die Baumfällungen am Samstag (24. Oktober) im Natruper Holz erfolgten im Auftrag des Osnabrücker ServiceBetriebs (OSB). Dass es an diesem Wochenende heftig stürmte, war tatsächlich Zufall.
Katrin Hofmann, Leiterin Öffentlichkeitsarbeit und Kommunikation beim OSB, antwortete am Dienstag auf Nachfrage unserer Redaktion: „Die Fällungen sind eine Maßnahme, die im Zuge der Neuausrichtung und Entwicklung eines zukünftigen Stadtwaldes stattfinden.“ Zur Anzahl der an diesem Wochenende gefällten Bäume konnte die Pressesprecherin keine Angaben machen.
Die Stadt hatte den Waldumbau bereits am 18. März angekündigt. Damals war vorgesehen, mit den forstwirtschaftlichen Eingriffen voraussichtlich im September 2026 zu beginnen – tatsächlich wurde es Oktober. Über die Pläne hatte die HASEPOST bereits im März berichtet.
Stadt Osnabrück will Eichen im Natruper Holz fördern
Nach Angaben von Stadt und OSB soll ein widerstandsfähiger Laubmischwald entstehen. Im Natruper Holz lag der Laubbaumanteil zum Zeitpunkt der Ankündigung bei 88 Prozent. Besonders Stiel-Eichen sollen mehr Raum erhalten. Sie benötigen viel Licht, während sich die schattenverträgliche Buche auch unter dem Kronendach anderer Bäume ausbreiten kann und so mit Eichen konkurriert.
Hier wütete die Kettensäge, um das Natruper Holz zu einem ordentlich bewirtschafteten Stadtwald umzuwandeln.
Neben Eichen zählen Buchen, Kirschen und Ahorn zu den Baumarten, die die Verantwortlichen fördern wollen. Nicht heimische Rot-Eichen und die nach Einschätzung der Stadt nicht standortgerechte Fichte sollen langfristig zurückgedrängt werden. Auch gesunde Einzelbäume können dem Konzept zufolge entnommen werden, wenn sie die Entwicklung anderer Bäume behindern. Die Eingriffe wurden in Zusammenarbeit mit dem Forstamt Ankum der Niedersächsischen Landesforsten und der Unteren Naturschutzbehörde geplant.
Insgesamt bewirtschaften die Naturschutz- und Waldbehörde der Stadt (28,4 Hektar) und der OSB (191,7 Hektar) nach Angaben aus der Ankündigung 220,1 Hektar städtischen Wald. Diese Zahl bezeichnet den gesamten bewirtschafteten Stadtwald, nicht allein das Natruper Holz.
Nicht alle Bäume im Natruper Holz fielen an diesem Wochenende der Kettensäge zum Opfer. Diese Birke wurde in der Nacht zu Sonntag vom Sturm umgeworfen. / Foto: Pohlmann
Farben kennzeichnen die geplanten Arbeiten im Wald
Für die Maßnahmen wurden unterschiedliche Farbmarkierungen angekündigt: Blau steht für sogenannte Zukunftsbäume, deren Wachstum gefördert werden soll. Weiß kennzeichnet unter anderem Rückegassen für Forstmaschinen. Rot markiert Bäume, die gefällt werden sollen. Besonders schützenswerte Habitatbäume sollen erhalten bleiben, ebenso Totholz auf den Flächen, das vielen Arten Lebensraum bietet.
Für die Holzernte waren vor allem Harvester vorgesehen. In empfindlichen Bereichen sollten motormanuelle Arbeiten Bodenschäden begrenzen. Die Stadt rechnete im März mit Einnahmen im niedrigen fünfstelligen Bereich durch den Verkauf des anfallenden Rundholzes an lokale Sägewerke.