Die geplante Erhöhung der Verkaufsprovisionen für das Deutschlandticket sorgt für Konflikte zwischen Verkehrsverbünden und Großverkäufern. Laut Informationen soll die Vergütung pro Ticket 2027 auf fast 3,20 Euro steigen – ein Schritt, der die Gesamtkosten um Millionen erhöhen würde. Kritiker warnen vor einer einseitigen Begünstigung weniger großer Plattformen wie der Deutschen Bahn.
Höhere Provisionen geplant
Laut Informationen soll die sogenannte Anreizvergütung für den Verkauf des Deutschlandtickets im kommenden Jahr von bis zu 2,90 Euro auf fast 3,20 Euro pro Ticket angehoben werden. Bei Job- und Semestertickets fällt die Erhöhung geringer aus. Obwohl der Betrag pro Ticket zunächst gering erscheint, würde sich die Gesamtsumme bei über 170 Millionen verkauften Tickets um einen zweistelligen Millionenbetrag erhöhen.
Besonders profitieren würden davon große Vertriebsplattformen wie die Deutsche Bahn, die schätzungsweise 25 bis 30 Prozent aller Deutschlandtickets über ihre Navigator-App verkauft. Oliver Wittke, Chef des Verkehrsverbundes Rhein-Ruhr (VRR) und ehemaliger CDU-Politiker, kritisierte die Pläne scharf: Das Deutschlandticket dürfe nicht zur “”Gelddruckmaschine”.” für wenige große Anbieter werden.
Kritik an Kosten und Verteilungsgerechtigkeit
Wittke begründete seine Kritik damit, dass große Verkehrsbetriebe mit deutlich weniger Aufwand mehr Tickets verkaufen könnten. Die zusätzlichen Kosten für die Vertriebsanreize würden letztlich die Kunden tragen. Er betonte, dass jeder Euro, der nicht für überproportionale Vertriebsanreize verwendet werde, stattdessen in einen zuverlässigen und attraktiven öffentlichen Verkehr investiert werden könne.
In der kommenden Woche soll der Koordinierungsrat für das Deutschlandticket, dem Vertreter des Bundesverkehrs- und Bundesfinanzministeriums sowie der Landesverkehrsministerien angehören, über die umstrittene Anhebung entscheiden. Beratend nehmen auch kommunale Spitzen- und Verkehrsverbände teil.
Alternativvorschlag mit gestaffelter Vergütung
Als Gegenentwurf zur pauschalen Erhöhung schlägt der VRR ein degressives Modell vor. Demnach soll die Vergütung für Verkehrsbetriebe ab 250.000 verkauften Deutschlandtickets stufenweise sinken: zunächst um 10 Prozent, ab einer Million um weitere 10 Prozent und ab fünf Millionen um 30 Prozent. Dieses Modell findet Unterstützung bei anderen Verkehrsverbänden.
Ziel des Vorschlags ist es, die Vertriebsanreize gerechter zu verteilen und kleinere Anbieter nicht zu benachteiligen.