Ines Claus könnte CDU-Kandidatin für Bundespräsidentenamt werden – CSU setzt auf Aigner.
Die Suche nach einer Nachfolge für Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier gewinnt in der Union an Fahrt. Überraschend hat sich die hessische CDU-Landtagsfraktionschefin und stellvertretende CDU-Bundesvorsitzende Ines Claus als mögliche Kandidatin ins Spiel gebracht. Wie die „Rheinische Post“ berichtet, bezeichnete Claus es als „große Ehre“, in diesem Zusammenhang genannt zu werden. Gleichzeitig betonte sie die Notwendigkeit eines „geordneten Verfahrens“ innerhalb der Partei, mit den Ministerpräsidenten, den Führungsgremien von CDU und CSU sowie dem Koalitionspartner. Claus ist Volljuristin, verheiratet, Mutter von drei Kindern und seit 2020 Fraktionschefin in Hessen. Seit diesem Jahr ist sie zudem stellvertretende CDU-Vorsitzende unter Friedrich Merz.
Merz dementiert Favoritin für Bundespräsidentin
Laut der „Rheinischen Post“ gilt Claus in hochrangigen CDU-Kreisen als Favoritin von Kanzler Merz für das höchste Staatsamt. Der Kanzler wolle nach seiner Asien-Reise in der kommenden Woche eine endgültige Entscheidung treffen, hieß es. Allerdings wurde dies aus dem Umfeld von Merz klar dementiert, wie sowohl n-tv als auch der Tagesspiegel berichten. „Merz hat sich weder festgelegt noch einen Vorschlag unterbreitet“, hieß es dort. Zudem wurde der Vorstoß für Claus von maßgeblichen CDU-Politikern kritisch gesehen oder sogar als absurd zurückgewiesen, wie der Focus schreibt. Ihr fehle jedes bundespolitische Profil, eine Kandidatur werde schiefgehen, hieß es.
CSU pocht auf eigene Kandidatin Aigner
Die CSU setzt indes weiterhin auf ihre eigene Kandidatin: Bayerns Landtagspräsidentin Ilse Aigner. Diese erhält bereits Zustimmung von SPD und Grünen, wie die Welt und der Tagesspiegel berichten. CSU-Chef Markus Söder hatte sich wiederholt für Aigner ausgesprochen. Sollte die CDU tatsächlich Claus ins Rennen schicken, könnte dies zu Spannungen mit der Schwesterpartei führen. Aus der CSU hieß es, die Nennung von Claus sei ein „Testballon“, dessen Gehalt man nicht bewerten wolle.
Frei nennt weitere mögliche Unions-Kandidatinnen
Unionsfraktionschef Thorsten Frei (CDU) betonte unterdessen, man wolle sich nicht auf Aigner als Unions-Kandidatin festlegen. „Wir haben ja, Gott sei Dank, einige Frauen, die dafür sehr, sehr gut geeignet sind“, sagte er im WELT-TV-Format „Hard Talk“. Als Beispiele nannte er Bundestagspräsidentin Julia Klöckner, Bildungsministerin Karin Prien und Ex-CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer. Frei wünscht sich eine „zügige“ Entscheidung, da der Respekt vor dem Amt gebiete, nicht monatelang über mögliche Kandidaten zu diskutieren.
Union will bis November Entscheidung treffen
Die Union beansprucht als stärkste Fraktion im Bundestag das Vorschlagsrecht für die Nachfolge Steinmeiers. Die Wahl des neuen Staatsoberhaupts findet am 30. Januar 2027 in der Bundesversammlung statt. CDU, CSU und SPD verfügen dort über eine Mehrheit, könnten die Entscheidung also unter sich ausmachen. Noch im November soll die Frage innerhalb der Union geklärt werden.