Polizei und Militär bringen 3000 Menschen vom Strand weg – viele fliehen in Wälder
In der spanischen Exklave Ceuta hat die Polizei mit Unterstützung des Militärs die Räumung eines großen Migrantenlagers abgeschlossen. Wie die lokale Zeitung „El Faro“ und der staatliche Sender RTVE berichten, wurden alle ursprünglich rund 3000 Menschen, die seit Ende Juli am Strand Trampolín in improvisierten Behausungen lebten, von dort fortgebracht. Die Aktion fand gut eine Woche vor dem geplanten Besuch des spanischen Königspaares in Ceuta statt, wie die „Zeit“ ergänzend mitteilt.
Migranten fürchten Registrierung als Abschiebegrund
Die Migranten wurden in Bussen zum Grenzübergang Tarajal gefahren, wo sie vor die Wahl gestellt wurden: Entweder sie kehren freiwillig nach Marokko zurück oder sie lassen sich registrieren, um in einem Zeltlager untergebracht zu werden. Laut RTVE kehrten am ersten Tag der Räumung rund 600 Menschen nach Marokko zurück. Am zweiten Tag flohen viele der Betroffenen in umliegende Wälder, statt sich registrieren zu lassen. Die Sorge vor einer Registrierung ist groß, da viele befürchten, dadurch leichter in das als sicheres Herkunftsland geltende Marokko abgeschoben werden zu können. Zudem könnten biometrische Daten eine spätere Identifizierung und Abschiebung in andere EU-Staaten erleichtern.
Behörden prüfen die nächsten Schritte
Die deutsche Hilfsorganisation Mission Lifeline kritisierte das Vorgehen der spanischen Behörden scharf. „Unter Druck und umringt von rabiat vorgehender Polizei mit Panzerwagen kann von Freiwilligkeit und einem rechtsstaatlichen Verfahren keine Rede sein“, sagte der Leiter der Organisation, Nolte Bauer, der Deutschen Presse-Agentur. Die Behörden müssten die als „Abschiebungen“ bezeichneten Maßnahmen stoppen und eine individuelle Prüfung für jede Person gewährleisten. Während die spanischen Behörden betonen, dass die Registrierung eine Voraussetzung für eine individuelle Prüfung sei, sieht Mission Lifeline darin einen Widerspruch zu rechtsstaatlichen Standards.
Königsbesuch erhöht Druck auf Ceuta-Situation
Hintergrund der aktuellen Lage ist der Massenandrang von Migranten Ende Juli, als nach Schätzungen der Regierung bis zu 80.000 Menschen von Marokko aus nach Ceuta kamen. Die meisten kehrten zwar anschließend zurück, doch Tausende blieben in der Exklave. Der geplante Besuch des Königspaares am 13. und 14. Oktober unterstreicht die politische Brisanz der Situation, wie die „Zeit“ berichtet.