Russland nimmt im Krieg gegen die Ukraine offenbar zunehmend neuralgische Punkte der ukrainischen Wirtschaft ins Visier. Experten warnen vor einem umfassenden Wirtschaftskrieg mit sinkendem Wachstum und massiven Produktionsrückgängen. Die Stahlproduktion brach bereits um über 57 Prozent ein.
Systematische Angriffe auf Schlüsselbranchen
"Russland hat begonnen, alle für die Ukraine relevanten Branchen systematisch zu zerstören", sagte Robert Kirchner, Ökonom und Ukrainekenner des Beratungsunternehmens Berlin Economics, dem „Spiegel“.
""schon längst nicht mehr nur um einzelne Häfen, Kraftwerke oder Lager. Es entwickelt sich ein umfassender Wirtschaftskrieg".", so Kirchner.
Zermürbungstaktik mit wirtschaftlichen Folgen
Das Ziel Russlands dürfte sein, die ukrainische Bevölkerung zu zermürben und die Wirtschaft massiv zu schwächen. Während der Kreml das erste Ziel in den vergangenen Jahren nicht erreicht hat, werden die wirtschaftlichen Schwierigkeiten tatsächlich größer.
Experten rechnen mit einem nur noch schwachen Wirtschaftswachstum von 1,1 Prozent. Kirchner warnte, die ökonomische Lage verschärfe sich und das Wachstum werde hauptsächlich von der starken Militärproduktion getrieben.
Angriffe auf Infrastruktur und Produktion
Hintergrund sind Russlands jüngste Angriffswellen gegen Lagerhäuser, Medikamenten-Depots, Supermärkte und insbesondere Stahlwerke. So wurden die Anlagen von Zaporizhstal im Südosten der Ukraine seit Mitte August gleich vier Mal gezielt angegriffen, zuletzt am 17. September.
Bereits im August brach die Stahlproduktion in der Ukraine deshalb um mehr als 57 Prozent zum Vorjahresmonat ein.
