Ukrainische Flugabwehr konnte keine Raketen abfangen – Selenskyj fordert mehr Abwehrsysteme
In der Nacht zum Dienstag hat Russland die ukrainische Hauptstadt Kiew und ihr Umland mit ballistischen Raketen angegriffen. Dabei kamen nach Angaben des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj mindestens 17 Menschen ums Leben, 44 weitere wurden verletzt. Wie die Frankfurter Rundschau und die Süddeutsche Zeitung berichten, traf eine Rakete unter anderem ein 20-stöckiges Wohngebäude im Stadtbezirk Obolon, wo ein Feuer ausbrach. Auch Lagerhäuser und Bürogebäude wurden beschädigt. Die ukrainische Luftwaffe gab an, keine der anfliegenden Raketen abschießen zu können.
Ukraine fängt 98 von 115 Drohnen ab
Stattdessen seien von 115 Drohnen 98 abgefangen worden, wie die Süddeutsche Zeitung unter Berufung auf die ukrainische Luftwaffe schreibt. Selenskyj betonte, dass Abfangmunition für ballistische Raketen Leben hätte retten können und forderte die westlichen Partner auf, die Lieferung von Abwehrsystemen zu beschleunigen. Jede Verzögerung führe zu Tod und Zerstörung, so der Präsident. Das russische Verteidigungsministerium sprach von einem „Massenangriff mit Präzisionswaffen“ gegen militärische Logistik- und Verteilzentren, wie die Welt berichtet.
Die zentralen Punkte im Überblick
Unabhängige Bestätigungen dieser Angaben liegen nicht vor. Parallel dazu kam es in der russischen Region Tula zu einem ukrainischen Drohnenangriff auf ein Logistikzentrum des Onlinehändlers Wildberries, bei dem ein Mensch verletzt wurde. Das Unternehmen bestätigte den Vorfall und teilte mit, die Belegschaft sei in Sicherheit gebracht worden. Seit Mitte Juli hat die Ukraine bereits über ein Dutzend Anlagen von Wildberries mit Drohnen attackiert, wie die Frankfurter Rundschau und Reuters melden.
EU plant 1,4 Mrd. Euro aus russischen Vermögen für Ukraine
Die EU reagierte auf die Angriffe mit der Ankündigung, weitere 1,4 Milliarden Euro aus Zinserträgen eingefrorener russischer Vermögenswerte an die Ukraine zu überweisen. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen betonte auf X, Russland müsse für die verursachte Zerstörung „bezahlen“. Die ukrainische Seite warnte zudem vor einer möglichen Stationierung nordkoreanischer Raketeneinheiten in Westrussland. Laut dem ukrainischen Militärgeheimdienst könnte eine Einheit mit 120 ballistischen Raketen und sechs Startrampen in der Region Woronesch eingesetzt werden, wie die Zeit und die Süddeutsche Zeitung berichten.