Historische Tiefstände am Rhein behindern Schifffahrt und Wirtschaft massiv.
Der Rhein führt aktuell so wenig Wasser wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Am Pegel Köln wurde am Wochenende ein neuer historischer Tiefstand von 40 Zentimetern gemessen, wie der WDR berichtet. Prognosen zufolge könnte der Stand im Laufe der Woche sogar auf 36 Zentimeter sinken. Zum Vergleich: Im Jahr 2018, dem bisherigen Rekordjahr, lag der tiefste gemessene Wert bei 69 Zentimetern. Auch in Bonn wurden nur noch 60 Zentimeter registriert, in Worms sogar ein negativer Pegel von minus 26 Zentimetern, wie die hessenschau mitteilt. Ein negativer Wert bedeutet, dass der Wasserstand unter einem festgelegten Nullpunkt am Ufer liegt, nicht jedoch, dass der Flussboden freiliegt.
Rhein-Niedrigwasser treibt Transportkosten ins Extreme
Die Fahrrinne bleibt tiefer, doch für die Schifffahrt wird die Situation zunehmend kritisch. Frachtschiffe können nur noch mit stark reduzierter Ladung fahren, was die Transportkosten massiv in die Höhe treibt. Roberto Spranzi, Vorstand der Deutschen Transport-Genossenschaft Binnenschiffahrt, erklärte, dass viele Schiffe derzeit nur zu etwa 20 Prozent beladen werden können. In Kombination mit hohen Spritpreisen führe dies zu fünf- bis sechsfach höheren Transportkosten, besonders für die Chemie- und Stahlindustrie. Bei Kaub, einer wichtigen Engstelle des Rheins, schwankt der Pegelstand zwischen zwei und minus zwei Zentimetern, wie headtopics.com berichtet. Unter 30 Zentimetern ist der Schiffsverkehr dort wirtschaftlich kaum noch möglich, was die Belieferung Südwestdeutschlands per Fluss stark einschränkt.
Fähren stellen Betrieb wegen Niedrigwasser ein
Unternehmen müssen auf teurere Alternativen wie Güterzüge oder Lkw ausweichen. Auch der Fährbetrieb leidet unter dem Niedrigwasser. In Trebur-Kornsand musste die Fähre „Landskron“ ihren Betrieb einstellen, da sie nicht mehr anlegen konnte. Ein Bagger versucht seit Tagen, die Fahrrinne freizuschaufeln, doch der Erfolg ist ungewiss. „Es ist ein absolutes Desaster“, sagte Fährkapitän Michael Bleul der hessenschau. Die Fähre transportiert normalerweise täglich 300 bis 400 Autos, doch aktuell fallen die Einnahmen weg, während die Kosten für Bagger und Personal weiterlaufen.
Niedrigwasser legt Kampfmittel frei und gefährdet Schiffe
Auch in Köln und Bonn sind Ausflugsschiffe betroffen. Das Bonner Familienunternehmen Pilger hat seine Fahrten aus Sicherheitsgründen eingestellt, nachdem ein Propeller bei einer Grundberührung beschädigt wurde. Zudem werden durch das Niedrigwasser immer wieder Kampfmittel aus dem Zweiten Weltkrieg freigelegt. Am Samstag musste bei Hersel zwischen Köln und Bonn eine Bombe kontrolliert gesprengt werden. Ursache für die extreme Situation ist die anhaltende Trockenheit sowie ein schneearmer Winter in den Alpen, der wenig Schmelzwasser in den Rhein brachte. Für Anfang Oktober ist Regen angesagt, der die Lage etwas entspannen könnte.