Baden-Württembergs Ministerpräsident Cem Özdemir (Grüne) fordert eine gemeinsame Kandidatin von Union, SPD und Grünen für die Nachfolge von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Die Wahl soll am 30. Januar 2027 stattfinden. Özdemir plädiert zudem für eine Frau an der Staatsspitze.
Forderung nach breiter Unterstützung
Özdemir sagte dem "Tagesspiegel" (Donnerstagausgabe): "Mein Vorschlag wäre, dass CDU, CSU, SPD und Grüne sich auf eine gemeinsame Kandidatin oder einen Kandidaten verständigen, damit die Person die Amtszeit gestärkt führen kann". Nach zwölf Bundespräsidenten werde es aus seiner Sicht Zeit für eine Frau an der Spitze des Staates. Es brauche eine Persönlichkeit, die das Land in schwierigen Zeiten zusammenhalte. Einen konkreten Namen nannte er nicht.
Machtverhältnisse und mögliche Kandidaten
Die Wahl für die Nachfolge Steinmeiers soll am 30. Januar 2027 stattfinden. Union und SPD verfügen in der Bundesversammlung über eine komfortable Mehrheit. Aufgrund der Sitzverhältnisse könnte die CDU/CSU als stärkste Fraktion das Vorschlagsrecht beanspruchen.
CSU-Chef Markus Söder wirbt seit Längerem für Bayerns Landtagspräsidentin Ilse Aigner (CSU). Die frühere Agrarministerin, die auch als mögliche Söder-Nachfolgerin gilt, genießt auch in der SPD Sympathien. Özdemir hatte Aigner im August als “einen sehr interessanten Vorschlag”, bezeichnet. In Unionskreisen wurden zudem Hessens Ministerpräsident Boris Rhein (CDU) oder der frühere Verfassungsrichter Udo di Fabio als mögliche Kandidaten genannt.
Zeitplan und nächste Schritte
Mehrere SPD-Politiker und Vertreter der Frauen-Union werben seit Langem für eine erste Frau als Staatsoberhaupt. Mit Spannung wird erwartet, wie sich Söder und Kanzler Friedrich Merz (CDU) auf dem CSU-Parteitag am Wochenende zu Aigner als möglicher Nachfolgerin äußern werden.
Mit einer offiziellen Nominierung Aigners aus dem CSU-Parteitag wird in CSU-Kreisen laut "Tagesspiegel" nicht gerechnet. Die Entscheidung über die Kandidatur dürfte laut Bericht in CDU/CSU-Kreisen im November fallen.