Erster Angeklagter steht vor Gericht – Vorwürfe und Hintergründe
Rund vier Jahre nach den Explosionen an den Nord-Stream-Pipelines in der Ostsee hat in Hamburg der erste Strafprozess zu den Anschlägen begonnen. Der Angeklagte, der ukrainische Offizier Serhij K., soll nach Angaben der Bundesanwaltschaft einer der Drahtzieher der Sprengungen am 26. September 2022 gewesen sein, wie das Handelsblatt und der NDR berichten. Damals detonierten in etwa 80 Metern Tiefe mehrere Sprengsätze, die vier Lecks in drei der vier Pipeline-Stränge rissen. Die Gaspipelines Nord Stream 1 und 2, die von Russland nach Lubmin in Mecklenburg-Vorpommern führten, wurden dadurch schwer beschädigt. Nord Stream 1 war bereits vor dem Anschlag von Russland abgedreht worden, Nord Stream 2 nie in Betrieb gegangen.
Kriegsverbrechen durch zivile Ziele angeklagt
Die Bundesanwaltschaft wirft Serhij K. vor, ein Kriegsverbrechen begangen zu haben, indem er verbotene Methoden der Kriegsführung gegen zivile Objekte einsetzte. Zudem wird ihm die Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion, die Zerstörung von Bauwerken und die Störung öffentlicher Betriebe vorgeworfen. Die Verteidigung bestreitet eine Tatbeteiligung und verweist auf fehlende belastbare Beweise, wie der Tagesspiegel berichtet. Laut NDR soll Serhij K.
Sprengstoffanschlag auf Pipelines geplant und durchgeführt
eine Gruppe von sieben Personen, darunter Taucher, einen Skipper und einen Sprengstoffexperten, für den Anschlag rekrutiert haben. Die Crew mietete demnach die Segeljacht „Andromeda“ und brachte die Sprengsätze mit Zeitzündern an den Pipelines an. Serhij K. wurde im August 2025 in Italien festgenommen und im November desselben Jahres nach Deutschland überstellt. Seitdem sitzt er in Untersuchungshaft.
Prozess könnte deutsche Ukraine-Politik beeinflussen
Der Prozess findet unter hohen Sicherheitsvorkehrungen im speziellen Sicherheitstrakt des Hanseatischen Oberlandesgerichts statt. Die Bundesanwaltschaft geht davon aus, dass offizielle ukrainische Stellen den Anschlag gesteuert haben, wie der NDR unter Berufung auf Ermittlerkreise berichtet. Die ukrainische Regierung unter Präsident Wolodymyr Selenskyj bestreitet jede Beteiligung. Der Prozess könnte auch politische Folgen haben, da er die Debatte über die deutsche Unterstützung für die Ukraine befeuern könnte, wie die Tagesschau schreibt. AfD und BSW fordern bereits Konsequenzen, während die Bundesregierung betont, dass die juristische Aufarbeitung unabhängig von politischen Erwägungen erfolgen müsse.