Mutmaßlicher Agent soll militärische Daten für Moskau gesammelt haben.
Ein ukrainischer Staatsangehöriger sitzt seit Donnerstag in Untersuchungshaft. Der 53-jährige Vadym Y. wurde im brandenburgischen Landkreis Oder-Spree festgenommen, wie der Generalbundesanwalt in Karlsruhe mitteilte. Ein Ermittlungsrichter am Bundesgerichtshof setzte den Haftbefehl gegen den Mann in Vollzug, der der geheimdienstlichen Agententätigkeit für Russland verdächtigt wird. Y. lebt in Eisenhüttenstadt und stammt ursprünglich aus der Region Lugansk, die seit der Annexion durch Russland nicht mehr zur Ukraine gehört. Dies berichten sowohl der Deutschlandfunk als auch die Nachrichtenplattform de-rt.com übereinstimmend.
Spionage für russischen Militärgeheimdienst GRU
Den Ermittlungen zufolge stand Y. spätestens seit Juli 2025 über einen Mittelsmann in Kontakt mit einem russischen Nachrichtendienst. Während des Ukraine-Kriegs soll er von Deutschland aus militärisch relevante Informationen beschafft haben. Dazu zählten laut Generalbundesanwalt Erkenntnisse über die Produktion von Panzern, Munition und Explosivstoffen sowie über Personal und militärische Anlagen zur Sicherung der NATO-Ostflanke. Medienberichte nennen den russischen Militärgeheimdienst GRU als möglichen Empfänger der Daten, wie de-rt.com schreibt.
Rüstungsdaten trotz öffentlicher Quellen gesammelt
Auffällig ist, dass einige der von Y. übermittelten Informationen laut Bundesanwaltschaft auch öffentlich zugänglich waren. Dennoch wird ihm vorgeworfen, gezielt Personen aus der europäischen Rüstungsbranche ausgehorcht zu haben. Das Bundesverteidigungsministerium betonte, der Fall zeige die vielfältigen Bedrohungen für Deutschland durch ausländische Nachrichtendienste, wie der Deutschlandfunk berichtet.
Unklarheit über Anklage und Gerichtsverfahren
Ob und wann Anklage gegen Y. erhoben wird, ist noch unklar. Ein Gerichtsverfahren müsste zunächst von einem zuständigen Gericht genehmigt werden. Bis zu einer rechtskräftigen Verurteilung gilt die Unschuldsvermutung. Die Bundesanwaltschaft stützt sich in ihren Angaben auf Mitteilungen des Bundesamts für Verfassungsschutz.