Unser wohl ältester Mitarbeiter meldet sich zurück! Unsere Leserinnen und Leser lieben ihn oder sie lehnen ihn und seine Ansichten oft auch vehement ab. Genau wie sein historisches Vorbild macht “unser Justus” aus seiner liberal-konservativen Weltanschauung keinen Hehl, und das schon seit inzwischen deutlich mehr als 100(!) Kolumnen, die bereits seit 2015 exklusiv bei der HASEPOST erscheinen.
Guten Abend,
die Auseinandersetzung zwischen den politischen Lagern in Deutschland treibt mitunter seltsame Blüten. Cafés und Schankwirtschaften in bestimmten sog. Kiezen, meistens in größeren Städten, möchten oft keine Gäste bewirten, die eine andere politische Meinung als die des jeweiligen Inhabers haben. Das ist rechtlich zulässig und wird durch das Hausrecht abgedeckt. Jetzt hat sich auch die Betreiberin einer Bielefelder Apotheke zu diesem Schritt entschlossen. Elisabeth Kutter, Inhaberin der Panda-Apotheke an der Radrennbahn, will explizit keine AfD-Anhänger als Kunden. Für Apotheker gilt zwar der sog. ‘Kontrahierungszwang’, der diesen Berufsstand unter anderem dazu verpflichtet, jeden Menschen mit Medikamenten zu versorgen, unabhängig von seiner politischen Meinung. Das scheint der guten Frau aber egal zu sein. Immerhin hat sie mittlerweile potentiellen AfD-Sympathisanten zugestanden, auch ihnen Medikamente auszuhändigen. Das würde sie allerdings nur höchst ungern tun. Vergangenen Donnerstag hat die AfD einen Infostand vor der Apotheke aufgebaut. Daraufhin gab es eine Gegendemonstration, an der auch führende Politiker von SPD und Grünen teilnahmen. Es wurden große Reden geschwungen, die Apothekerin ließ sich feiern wie ein Popstar. Einige Teilnehmer skandierten: “Nazis jagen ist nicht schwer, mit Hammer und Sichel und Gewehr.” Elisabeth Kutter und ihre Panda-Apotheke an der Radrennbahn gelten jetzt als Hort des heldenhaften Widerstands gegen den Faschismus. Laut eigenen Angaben sollen sich die Umsätze seit der Aktion verdoppelt haben.
Ich sehe solcherlei Aktionen mit gemischten Gefühlen. Frau Kutter vertritt einen Berufsstand, der jedem Menschen ohne Ansehen der Person helfen soll bzw. muß. Sie verstößt ausdrücklich gegen diesen Grundsatz. Wo soll das hinführen? Können auch Ärzte die Behandlung von politisch mißliebigen Personen verweigern, ohne mit Konsequenzen rechnen zu müssen? Oder Rettungssanitäter? Und was würde passieren, wenn Vergleichbares den Sympathisanten der Linken angekündigt würde? Es wird seit Jahren die zunehmende Spaltung der Gesellschaft beklagt. Die Apothekerin hat ihren Teil dazu beigetragen. Für das Wochenende hat der Wetterdienst Regen und schwere Stürme angekündigt. Heute Nacht erfolgt die Umstellung auf Winterzeit. Es wird kalt und dunkel in Deutschland.
Herzlichst
Ihr Justus Möser
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