Der Osnabrücker Stadtrat verliert eine ihrer bekanntesten unabhängigen Stimmen: Wulf-Siegmar „Siggi“ Mierke ist am Mittwoch (14. Oktober) gestorben. Das teilte ein Vertreter der Unabhängigen Wählergemeinschaft (UWG) Osnabrück über Instagram mit. Erst im September war der langjährige Ratsherr bei der Kommunalwahl erneut in den Stadtrat gewählt worden. Seit 2006 gehörte er dem Osnabrücker Rat an.
Der 1954 geborene Wulf-Siegmar Mierke war über viele Jahre das Gesicht der UWG in Osnabrück. Er gehörte zu ihren Gründungsmitgliedern, stand lange an der Spitze der Wählergemeinschaft und vertrat sie zwei Jahrzehnte lang im Stadtrat.
Aus einer Bürgerinitiative in Voxtrup entstand die UWG
Die politischen Wurzeln von Siggi Mierke lagen im Osnabrücker Stadtteil Voxtrup. Ende der 1990er-Jahre engagierten sich Bürger gegen die Schließung des Freibades Wellmannsbrücke. Auch wenn der Kampf um das Bad letztlich verloren ging, entstand aus der Bürgerinitiative eine dauerhafte kommunalpolitische Bewegung.
Im Jahr 2000 wurde die Unabhängige Wählergemeinschaft Osnabrück-Stadt gegründet. Schon 2001 war sie mit zwei Vertretern im Ortsrat Voxtrup vertreten. Fünf Jahre später gelang ihr der Einzug in den Osnabrücker Stadtrat. Mierke gehörte seitdem ununterbrochen dem Rat an.
Mierkes politisches Selbstverständnis war geprägt von der Idee, dass Entscheidungen vor Ort nicht allein von Parteiprogrammen bestimmt werden sollten. Bürgernähe, Transparenz und ein kritischer Blick auf die Verwendung öffentlicher Gelder gehörten zu den zentralen Anliegen der UWG.
Auch die Entwicklung seines Heimatstadtteils Voxtrup blieb Mierke wichtig. So setzte er sich unter anderem kritisch mit den Planungen für das Baugebiet „Grüner Garten“ auseinander und warnte vor Eingriffen in bestehende Grünflächen und zusätzlichen Verkehrsbelastungen.
Zwei Jahrzehnte im Rat – zuletzt gemeinsam mit der FDP
Im Osnabrücker Stadtrat war Mierke dafür bekannt, auch gegen breite Mehrheiten Stellung zu beziehen. Besonders bei kostspieligen Bauvorhaben, der städtischen Verschuldung und der Haushaltsführung meldete er sich regelmäßig zu Wort.
Zeitweise vertrat er die UWG als Einzelkämpfer im Rat, bevor sich die Wählergemeinschaft im Januar 2022 mit der FDP zu einer gemeinsamen Ratsgruppe zusammenschloss. Die Vereinbarung unterzeichnete Mierke damals gemeinsam mit dem FDP-Politiker Dr. Thomas Thiele.
Noch im Juli dieses Jahres vollzog die UWG einen Generationswechsel an ihrer Spitze. Nach vielen Jahren als Vorsitzender übergab Mierke das Amt an Hannes Janott, blieb seiner Wählergemeinschaft aber als stellvertretender Vorsitzender erhalten.
Im September erneut in den Stadtrat gewählt – von Platz 5
Bei der Kommunalwahl am 13. September 2026 trat Mierke erneut für die UWG an. Obwohl er auf der Kandidatenliste für den Wahlbereich Fledder, Schölerberg und Voxtrup nur auf Platz fünf stand, erhielt er genügend persönliche Stimmen, um das einzige Mandat seiner Wählergemeinschaft zu gewinnen.
Damit hätte der langjährige Kommunalpolitiker seine Ratsarbeit auch in der kommenden Wahlperiode fortsetzen können. Die konstituierende Sitzung des neuen Osnabrücker Stadtrates am 3. November wird jedoch ohne ihn stattfinden.
Noch am Donnerstag bei HASEPOST mit deutlicher Kritik
Wie sehr Siggi Mierke die Osnabrücker Kommunalpolitik bis zuletzt beschäftigte, zeigt eine gemeinsame Pressemitteilung der FDP/UWG-Gruppe, über die HASEPOST noch am Donnerstag (15. Oktober) berichtete. In dem Artikel über die geplante Lockerung der kommunalen Sparpflicht kritisierte Mierke die Haushaltspolitik von Grünen, SPD und CDU mit deutlichen Worten. Der Kommunalaufsicht warf er vor, ihrer Verantwortung nicht gerecht geworden zu sein, und bezeichnete sie als „Papiertiger“.
Worte, wie man sie von Siggi Mierke kannte: deutlich, streitbar und ohne Scheu vor politischen Auseinandersetzungen. Noch einen Tag nach seinem Tod wurde damit eine seiner letzten politischen Stellungnahmen öffentlich.
Mehr Nachrichten aus der Region?
➡️ Alle aktuellen Artikel zu Osnabrück (Gesamtstadt) finden Sie hier.
Kommentare zu diesem Artikel:
- Diese tatsächlich unabhängige Stimme wird dem Rat im wahrsten Sinne des Wortes fehlen. Als Bürger sage ich danke für das persönliche Engagement von Herrn Mierke. Den Angehörigen wünsche ich in dieser Zeit viel Kraft und Momente mit schönen Erinnerungen.
- Diese tatsächlich unabhängige Stimme wird dem Rat im wahrsten Sinne des Wortes fehlen. Als Bürger sage ich danke für das persönliche Engagement von Herrn Mierke. Den Angehörigen wünsche ich in dieser Zeit viel Kraft und Momente mit schönen Erinnerungen.