Die durchschnittliche Zinsbelastung für vollgetilgte KfW-Studienkredite hat sich seit 2017 fast verdreifacht. Laut Antwort der Bundesregierung pendeln die aktuellen Sätze zwischen unter 5 und über 7 Prozent. Die KfW betont, keine Gewinnerzielungsabsicht zu verfolgen.
Zinsbelastung und aktuelle Sätze
Die durchschnittliche Gesamtzinsbelastung bei vollgetilgten Darlehen lag 2017 noch bei 1.633 Euro, 2026 aber bei etwa 4.493 Euro. Die Zinssätze pendeln laut der Antwort der Bundesregierung aktuell zwischen weniger als 5 und mehr als 7 Prozent.
Von zuletzt 159.511 Darlehen in der Rückzahlungsphase seien 1.002 "notleidend" gewesen, "aber nicht ausgefallen".
KfW-Position und Kritik der Linken
Nach Angaben der KfW verfolgt sie "mit dem KfW-Studienkredit keine Gewinnerzielungsabsicht. Über den Zinssatz deckt sie allerdings die während der Kreditlaufzeit entstehenden Kosten inklusive der Risiko- und Verwaltungskosten ab". Die Antwort auf die Frage nach Gewinn oder Verlust der vergangenen zehn Jahre wird jedoch als vertraulich eingestuft und ist nicht zur Veröffentlichung freigegeben.
Nicole Gohlke, Sprecherin der Linksfraktion für Bildung und Wissenschaft, sagte den Zeitungen des „Redaktionsnetzwerks Deutschland“: „Dass die Zinsen von ihrem historischen Spitzenwert von fast 8 Prozent wieder leicht gesunken sind, ist für Betroffene nur ein Tropfen auf den heißen Stein – zumal der Zins 2026 schon wieder anzieht und fast 30.000 Kreditnehmende weiterhin Zinssätze von über 7 Prozent abstottern müssen“. Dass Studierende im Schnitt 4.493 Euro allein an Zinsen hinblättern müssten, sei „unfassbar“ und das Zinsniveau „nach wie vor jenseits von Gut und Böse“.
Forderung nach BAföG-Reform
Gohlke betonte, gerade in Kombination mit einem chronisch unterfinanzierten BAföG, das kaum noch Studierende erreiche, werde das System zur existenziellen Armutsfalle. "Dass das Ministerium dann auch noch die genauen KfW-Gewinne dreist zur Geheimsache erklärt, setzt dem Ganzen die Krone auf. Ein staatliches Förderinstrument darf keine Schuldenfalle sein. Es braucht eine grundlegende BAföG-Reform, mit einem echten Vollzuschuss und Sätzen, die zum Leben reichen".
Laut Deutschem Studierendenwerk waren zuletzt 36 Prozent der Studierenden von Armut betroffen.