82 Prozent sehen Anliegen junger Menschen von Politik nicht gut berücksichtigt.
Am vergangenen Wochenende gingen in vielen deutschen Städten Zehntausende junge Menschen auf die Straße, um im Rahmen der Initiative „Gen Z regiert“ auf ihre Anliegen aufmerksam zu machen. Wie die tagesschau unter Berufung auf den aktuellen ARD-DeutschlandTrend berichtet, trifft die Protestbewegung auf breite Unterstützung in der Bevölkerung: Fast drei Viertel der Deutschen zeigen Verständnis für die Forderungen der Demonstrierenden. Gleichzeitig lehnen 95 Prozent Gewalt als politisches Mittel ab – eine Haltung, die auch die Initiative selbst teilt und sich ausdrücklich von den Ausschreitungen distanziert, die am Rande einiger Demonstrationen, etwa in Frankfurt am Main, auftraten. Dort waren Geschäfte geplündert und Polizisten verletzt worden, ohne dass die Gewalttäter eindeutig der Initiative zugeordnet werden konnten.
82 Prozent fühlen sich politisch ignoriert
Laut der repräsentativen Umfrage von Infratest dimap, an der 1.297 Menschen teilnahmen, sind 82 Prozent der Meinung, dass die Politik die Anliegen junger Menschen nicht ausreichend berücksichtigt. Protestforscher Jannis Julien Grimm von der Freien Universität Berlin sieht darin eine gemeinsame Erfahrung von politischer Ohnmacht: Junge Menschen würden die langfristigen Konsequenzen heutiger Entscheidungen besonders stark spüren, verfügten aber über vergleichsweise wenig politisches Gewicht, wie er der tagesschau erklärte. Diese Wahrnehmung teilt auch eine Mehrheit der Bevölkerung.
Junge fordern bezahlbares Leben und Klimaschutz
Die Forderungen der Protestierenden sind konkret: Sie verlangen mehr Investitionen in Schulen, bezahlbares Wohnen, soziale Gerechtigkeit und verstärkten Klimaschutz. Gleichzeitig kritisieren sie das Versprechen, dass harte Arbeit automatisch zu Wohlstand führe. Kaja Schwab, eine Sprecherin der Initiative, betonte in einer Rede in Berlin, dass das Leben für viele junge Menschen kaum noch bezahlbar sei und sie zudem mit der Diskussion um eine mögliche Wehrpflicht konfrontiert würden. Die Initiative lehnt eine solche Pflicht ab, auch wenn die seit Januar 2026 geltende Regelung eine Musterung für junge Männer ab dem Geburtsjahrgang 2008 vorsieht – der Wehrdienst selbst bleibt freiwillig.
Linke und AfD genießen größtes Vertrauen bei Jugend
Interessant ist, welchen Parteien die junge Generation am ehesten zutraut, ihre Anliegen zu vertreten. Laut ARD-DeutschlandTrend sind es vor allem die Linke (29 Prozent) und die AfD (21 Prozent), während die Grünen (12 Prozent), die Union (5 Prozent) und die SPD (3 Prozent) deutlich weniger Vertrauen genießen. In der Gesamtbevölkerung sehen die meisten Befragten die Kompetenz für die Belange junger Menschen bei den Grünen (18 Prozent), der AfD (18 Prozent) und der Linken (15 Prozent). Rund ein Fünftel aller Befragten traut jedoch keiner Partei zu, die jeweiligen Aufgaben zu lösen.
87 Prozent unzufrieden mit Bundesregierung
Die Unzufriedenheit mit der Politik beschränkt sich nicht auf die junge Generation. Aktuell sind 87 Prozent der Deutschen mit der Arbeit der Bundesregierung unzufrieden, 85 Prozent mit der von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU). In einer fiktiven Bundestagswahl läge die AfD unverändert bei 27 Prozent, gefolgt von CDU/CSU (20 Prozent), den Grünen (16 Prozent), der SPD (13 Prozent) und der Linken (11 Prozent).