Die Grünen werfen der Union vor, die Nominierung einer Kandidatin für die Bundespräsidentenwahl unnötig in die Länge zu ziehen. Fraktionschefin Britta Haßelmann bezeichnete den Prozess als unwürdig und kritisierte, dass Friedrich Merz zwar eine Frau ankündigte, aber keinen Namen nennt. Die Wahl findet am 30. Januar 2027 statt.
Kritik an öffentlichem Findungsprozess
Die Grünen zeigen sich verärgert über die zögerliche Bekanntgabe einer Kandidatin für die Nachfolge von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Grünenfraktionschefin Britta Haßelmann sagte dem “Spiegel”, mit jedem weiteren Tag werde der Vorgang unwürdiger. Sie stellte infrage, warum die Union ihren Findungsprozess öffentlich austrage, statt sich mit anderen Parteien abzustimmen.
Haßelmann warf Friedrich Merz vor, offenbar keine Kontrolle über den Nominierungsprozess zu haben. Merz hatte sich zwar öffentlich darauf festgelegt, dass die Union eine Frau nominieren werde, nannte aber weiterhin "Was reitet die Union eigentlich, ihren Findungsprozess derart öffentlich auszutragen, anstatt sich zu verständigen und bei anderen demokratischen Kräften für breite demokratische Unterstützung zu werben?".
Aigner als mögliche Kandidatin
Mehrere führende CDU-Politiker lobten zuletzt die CSU-Politikerin Ilse Aigner, die bayerische Landtagspräsidentin. Aigner selbst äußerte gegenüber der “Zeit”, sie wünsche sich parteiübergreifenden Rückhalt – auch von den Grünen.
Bereits im April 2026 hatte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder Aigner als mögliche Kandidatin ins Spiel gebracht. Damals galt sie noch als mögliche innerparteiliche Konkurrentin für die Landtagswahl 2028.
Hintergrund zur Bundesversammlung
Die Bundesversammlung soll am 30. Januar 2027 über die Nachfolge von Frank-Walter Steinmeier entscheiden. Das Gremium setzt sich aus allen Bundestagsabgeordneten und einer gleichen Anzahl von Mitgliedern zusammen, die von den Landesparlamenten gewählt werden. Jedes Mitglied kann Wahlvorschläge bei der Bundestagspräsidentin einreichen.
Die Union stellt die meisten Mitglieder der Bundesversammlung und könnte gemeinsam mit der SPD eine Mehrheit bilden. Eine offizielle Nominierung liegt bislang jedoch nicht vor.