Die Verteidigungspolitikerin Sara Nanni (Grüne) verlangt nach Vorwürfen zu Drogen und sexuellen Übergriffen in einer Kaserne in Weißenfels eine unabhängige externe Meldestelle. Sie wirft dem Verteidigungsministerium vor, zu langsam zu handeln. Die Ausmaße des Problems seien noch nicht abschließend geklärt.
Forderung nach sicherem Umfeld und Aufklärung
Die Verteidigungspolitikerin Sara Nanni (Grüne) sagte den Sendern RTL und ntv am Mittwoch: „Wir müssen ein Umfeld schaffen in der Bundeswehr, in dem sich Täter nicht sicher fühlen“.
Es gebe Hinweise darauf, dass Täter darauf vertraut hätten, von Vorgesetzten geschützt zu werden. Kein Täter dürfe sich sicher sein, von einem Vorgesetzten geschützt zu werden, der möglicherweise selbst belastet sei. Die Vorwürfe seien sehr schwerwiegend, betonte sie.
Kritik an Ministerium und Appell an Pistorius
Es gehe darum, "die Dynamiken zu verstehen, in denen Täter sich so wohlfühlen können, wie das hier scheinbar der Fall war". Nanni kritisierte, das Verteidigungsministerium habe noch keinen vollständigen Maßnahmenkatalog vorgelegt. "Ich glaube, dass das Ministerium sich da ein bisschen zu viel Zeit lässt."
Sie erwartet, dass sich weitere Betroffene melden werden. Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) solle selbst dazu aufrufen. „Diese Fälle müssen aufgeklärt werden.“
Dunkelfeldstudie und aktuelle Meldungen
Wie groß das Problem sexualisierten Fehlverhaltens in der Bundeswehr tatsächlich ist, lasse sich noch nicht abschließend sagen, so Nanni. Die Ergebnisse einer vom Parlament angeforderten Dunkelfeldstudie zu den Erfahrungen von Frauen in der Truppe stünden noch aus. "Es geht kaum ein Tag ins Land, an dem der Wehrbeauftragte nicht eine entsprechende Meldung auch bei sich auf dem Schreibtisch hat liegen".