Experten warnen: Öl- und Diesel-Freigabe bringt kaum nachhaltige Entlastung
Die G7-Staaten haben die Freigabe von bis zu 100 Millionen Barrel Öl und Diesel aus ihren Reserven beschlossen, um die steigenden Kraftstoffpreise zu dämpfen. Wie das ZDF berichtet, soll die Maßnahme sofort beginnen und sich über vier Monate erstrecken, wobei eine vorgezogene Dieselfreigabe in den ersten 20 Tagen geplant ist. Die Ölpreise reagierten zunächst mit einem deutlichen Rückgang. Doch Experten wie die IW-Ökonomin Samina Sultan warnen, dass die Entlastung für Autofahrer nur kurzfristig sein werde. Die Freigabe sei ähnlich wie der Tankrabatt ein Pflaster, das kurzfristig Linderung verschaffen könne, sagte Sultan der Deutschen Presse-Agentur. Langfristig bleibe die grundlegende Problematik bestehen, so die Expertin vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW).
Experten zweifeln an Wirkung der Reservenfreigabe
Der Spiegel zitiert Sultan mit den Worten, die Maßnahme sei „nur ein Tropfen auf den heißen Stein“. Entscheidend sei zudem, wie groß der Dieselanteil der freigegebenen Reserven sei, da dies aus der G7-Mitteilung nicht hervorgehe. Die Lage in der Straße von Hormus verschärfe die Situation zusätzlich, da dort nicht nur der Ölexport eingeschränkt sei, sondern auch wichtige Raffinerien vom Weltmarkt abgeschnitten würden. In den vergangenen Tagen waren erneut Tanker unter Beschuss geraten, wie die britische Behörde für Sicherheit in der Schifffahrt (UKMTO) mitteilte.
USA und G7 streiten über Diesel-Exporte
Die G7 betonen in ihrer Erklärung, dass die Freigabe der Reserven auch eine Reaktion auf die Drohung der USA sei, Diesel-Exporte zu stoppen. US-Präsident Donald Trump betonte jedoch, ein Exportstopp sei „nie wirklich auf dem Tisch“ gewesen. Die US-Regierung hatte Europa zuvor aufgefordert, mehr Diesel an den Markt zu geben. In der G7-Erklärung heißt es nun ausdrücklich, dass keine Mitgliedstaaten Exportbeschränkungen vornehmen werden.
Deutschland sichert Energieversorgung durch Reserven
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) versicherte unterdessen, die Energieversorgung sei durch die Freigabe nicht gefährdet. Über vier Monate würden 100 Millionen Barrel koordiniert über die Internationale Energieagentur (IEA) mobilisiert, wobei eine erhebliche Dieselfreigabe bereits in den ersten 20 Tagen erfolge. „Dabei bleibt jederzeit ausreichend Reserve zur Sicherung der Versorgung im System“, so Reiche. Die IEA hatte im März eine Freigabe von bis zu 400 Millionen Barrel vorgeschlagen, von denen laut Spiegel bereits 325 Millionen Barrel umgesetzt wurden.
Hormus-Sperre blockiert nachhaltige Lösung
Für eine dauerhafte Normalisierung der Energiepreise sei laut Sultan jedoch eine Öffnung der Straße von Hormus notwendig. Solange die Eskalation dort anhalte und keine Tanker mehr durchkämen, bleibe die Freigabe der Reserven eine kurzfristige Lösung ohne nachhaltige Wirkung.