Partei trauert und sucht Nachfolger für Parteichef und Ministeramt
Der plötzliche Tod von Hubert Aiwanger hat die Freien Wähler in eine tiefe Krise gestürzt. Der langjährige Parteichef und bayerische Wirtschaftsminister wurde am Mittwoch leblos in einem Berliner Hotelzimmer aufgefunden. Laut vorläufigem Obduktionsergebnis der Berliner Staatsanwaltschaft starb Aiwanger ohne Fremdverschulden, weitere Untersuchungen stehen noch aus. Die Partei will zunächst trauern, bevor sie über die personelle Neuaufstellung entscheidet, wie der Merkur berichtet. Aiwanger prägte die Freien Wähler über viele Jahre als Bundes- und Landeschef sowie als stellvertretender Ministerpräsident und Wirtschaftsminister in Bayern. Unter seiner Führung erreichte die Partei bei der Landtagswahl 2023 mit 15,8 Prozent ein Rekordergebnis.
Freie Wähler in existenzieller Krise nach Aiwangers Tod
Die Freien Wähler regieren seit 2018 in einer Koalition mit der CSU im Freistaat. Die Vorstandsgremien auf Bundes- und Landesebene sowie die Landtagsfraktion kommen am Wochenende in München zusammen, um über das weitere Vorgehen zu beraten. Fraktionschef Florian Streibl sprach dem Bayerischen Rundfunk gegenüber von einem Schockzustand und betonte, dass man rasche Klarheit nach der Beisetzung schaffen wolle. Auch Ministerpräsident Markus Söder (CSU) kündigte an, das gemeinsame Regierungsbündnis stabil fortzusetzen. Politikwissenschaftler sehen die Freien Wähler vor einer historischen Bewährungsprobe.
Aiwanger prägte Freie Wähler wie kein anderer
Constantin Wurthmann von der Universität Mainz sagte der dpa, das personelle Vakuum zu füllen werde „schwierig bis unmöglich“. Thomas M. Klotz von der TU München bezeichnete Aiwanger als das zentrale Gesicht der Bewegung, der die Partei geprägt habe wie kein anderer. Ursula Münch betonte, er sei der Einzige gewesen, der auch überregional wahrgenommen wurde. Die Tagesschau berichtet, dass Aiwanger als Person die Freien Wähler in der öffentlichen Wahrnehmung verkörperte. Sein Tod könnte die politischen Verhältnisse in Bayern nachhaltig verändern.
AfD droht von Freien Wählern zu profitieren
Aiwanger war bekannt für seinen direkten, bodenständigen Politikstil und seine klare Positionierung für die Interessen des ländlichen Raums. Ob die Partei ohne ihn ihre Strahlkraft behalten kann, bleibt abzuwarten. In der aktuellen Umfrage liegen die Freien Wähler nur noch bei 9 Prozent, während die AfD mit 21 Prozent mehr als doppelt so viel erreicht. Es gibt Vermutungen, dass die Freien Wähler ohne Aiwanger Stimmen an die AfD verlieren könnten. Bei der Landtagswahl 2023 stimmten 39 Prozent der FW-Wähler der Aussage zu: „Ohne die Freien Wähler würde ich in Bayern die AfD wählen.“