Tausende demonstrieren bei Freiheitspreis für iranisches Volk – Pahlavi polarisiert
In Frankfurt haben am Samstag Tausende Menschen an Demonstrationen rund um die Verleihung des Freiheitspreises der FDP-nahen Friedrich-Naumann-Stiftung teilgenommen. Der Preis wurde dem iranischen Volk verliehen, stellvertretend nahm ihn der Exilpolitiker Reza Pahlavi, Sohn des letzten Schahs, in der Paulskirche entgegen. Wie die hessenschau berichtet, versammelten sich zunächst rund 2.500 Menschen in der Innenstadt, die sich später Richtung Ostpark in Bewegung setzten. Dort stiegen die Teilnehmerzahlen laut Polizei auf bis zu 9.000 an. Die Veranstalter hatten mit deutlich mehr Teilnehmenden gerechnet, doch die Einsatzkräfte gingen von einer weiteren Steigerung aus. Bisher verliefen die Kundgebungen friedlich, wie sowohl die hessenschau als auch die tagesschau übereinstimmend meldeten. Ein Mann wurde jedoch festgenommen, nachdem er in einem Livestream Gewalttaten angekündigt haben soll, wie die Polizei mitteilte. Ob es sich um einen Demonstranten handelte, war zunächst unklar.
Pahlavi-Preis löst scharfe Kontroversen aus
Reza Pahlavi betonte in seiner Rede, den Preis nur treuhänderisch anzunehmen und ihn eines Tages in Teheran an frei gewählte Repräsentanten weiterzugeben. Er kritisierte das iranische Regime scharf und unterstrich den Willen der Iranerinnen und Iraner zur Demokratie. Die Entscheidung, Pahlavi als Stellvertreter auszuwählen, löste jedoch massive Kritik aus. Wie die hessenschau berichtet, zweifeln Gegner an seiner Legitimation, die zersplitterte Opposition zu repräsentieren. Zudem wird ihm vorgeworfen, sich nicht ausreichend von den Verbrechen seines Vaters unter der Schah-Herrschaft distanziert zu haben. Amnesty International hatte bereits während der Herrschaft Mohammad Reza Pahlavis Menschenrechtsverletzungen dokumentiert. Prominente Kritiker wie der ehemalige UN-Botschafter Joachim Rücker oder Ex-Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) warfen der Stiftung vor, Pahlavi durch die Preisverleihung unnötig aufzuwerten.
Frankfurter Politik boykottiert Pahlavi-Ehrung
Auch in Frankfurt selbst gab es politischen Widerstand. Die SPD-Fraktion im Römer boykottierte die Veranstaltung, Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) bezeichnete die Wahl Pahlavis als „sehr unglücklich“. Die Linke forderte gar, den Mietvertrag für die Paulskirche zu kündigen. Die Stiftung verteidigte ihre Entscheidung damit, dass Pahlavi als bekannteste Persönlichkeit der Opposition für einen demokratischen Wandel stehe und sich für eine Trennung von Religion und Politik einsetze. Die Paulskirche, traditioneller Veranstaltungsort des Freiheitspreises, stehe symbolisch für Demokratie und Freiheit, wie die tagesschau betonte.
Polizei sichert Preisverleihung mit massivem Aufgebot
Während die Preisverleihung im Inneren der Paulskirche stattfand, sicherten schwer bewaffnete Polizisten den Außenbereich ab. Anhänger Pahlavis feierten ihren Preisträger an den Absperrungen, während im Ostpark weitere Demonstranten die Übertragung auf Großbildleinwänden verfolgten. Die Polizei zog eine positive Zwischenbilanz und betonte, dass die Lage stetig neu bewertet werde. Für den Nachmittag war zudem eine Gegendemonstration von Anhängern des aktuellen Mullah-Regimes angekündigt.