Spionageverdacht: Ex-BND-Präsident soll geheime Dokumente genutzt haben
Der ehemalige Präsident des Bundesnachrichtendienstes (BND), August Hanning, ist in Untersuchungshaft genommen worden. Ein Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs setzte den Haftbefehl in Vollzug, wie die Bundesanwaltschaft mitteilte. Hanning steht unter dem Verdacht, von seinem früheren Büroleiter geheime BND-Erkenntnisse gekauft und teilweise weitergegeben zu haben. Die Bundesanwaltschaft wirft ihm geheimdienstliche Agententätigkeit, landesverräterische Ausspähung, Auskundschaften von Staatsgeheimnissen und versuchten Landesverrat vor. Auch sein früherer Büroleiter Manfred D. sitzt bereits in Untersuchungshaft, wie der Spiegel und die Tagesschau berichten. Ihm wird Beihilfe zum versuchten Landesverrat und zur landesverräterischen Ausspähung vorgeworfen.
Ex-BND-Chef soll 2000 Geheimdokumente verkauft haben
Nach gemeinsamen Recherchen von WDR, NDR und Süddeutscher Zeitung soll D. Hanning über Jahre hinweg gegen Bezahlung mit streng geheimen Dokumenten versorgt haben. Insgesamt sollen rund 2.000 Dokumente weitergegeben worden sein, darunter sensible Berichte etwa zum iranischen Atomprogramm oder zur russischen Armee. Die Unterlagen stammten teilweise aus internen Lagebesprechungen im Kanzleramt und enthielten auch Informationen ausländischer Partnerdienste. Die Ermittler prüfen, ob Hanning die Dokumente für seine spätere Beratertätigkeit nutzte oder an ausländische Akteure weitergab. In einem Fall soll er eine Sicherheitsanalyse für einen fremden Nachrichtendienst erstellt haben, wie die Bundesanwaltschaft bestätigte. Ob diese Analyse den Adressaten erreichte, ist jedoch noch unklar.
Spionageverdacht durch Fund bei Hausdurchsuchung
Die Spur zu Hanning ergab sich aus Ermittlungen im Fall der Hamburger Unternehmerin Christina Block. Das Landeskriminalamt Hamburg durchsuchte im September 2025 Hannings Haus und Büros im Zusammenhang mit dem Vorwurf, er sei in einen Entführungsversuch der Kinder Blocks verwickelt. Dabei stießen die Ermittler auf einen Datenträger mit brisantem Inhalt, der den Verdacht auf Spionage auslöste. Hanning bestreitet eine Beteiligung an der Entführung.
Politiker fordern lebenslange Geheimdienst-Karenzzeiten
Politiker fordern unterdessen eine Verschärfung der Karenzregeln für ehemalige Nachrichtendienstmitarbeiter. Der Vorsitzende des Parlamentarischen Kontrollgremiums, Marc Henrichmann (CDU), betonte in den tagesthemen, man dürfe „keinen Stein auf dem anderen lassen“. Auch SPD und Grüne sprechen sich für lebenslange Karenzzeiten aus, um die Weitergabe sensibler Informationen zu verhindern. Hanning hatte den BND von 1998 bis 2005 geleitet und war danach als Sicherheitsberater tätig.
Zweiter BND-Skandal in wenigen Jahren eskaliert
Der Fall ist bereits der zweite schwerwiegende Vorfall beim BND innerhalb weniger Jahre. 2022 wurde ein ehemaliger BND-Referatsleiter wegen Spionage für Russland angeklagt. Sollte sich der aktuelle Verdacht bestätigen, wäre dies eine der schwersten Geheimdienstaffären der bundesdeutschen Geschichte, da noch nie ein so hochrangiger ehemaliger Spitzenbeamter betroffen war.