Der Essener Spezialchemiekonzern Evonik lehnt das Übernahmeangebot der BASF in Höhe von über elf Milliarden Euro ab. Interims-Vorstandsvorsitzender Claus Rettig begründet dies mit einer klaren Strategie zur Wertsteigerung aus eigener Kraft. Ein Gegenangebot gibt es nicht.
Eigenständigkeit als strategisches Ziel
Evonik lehnt das Übernahmeangebot der BASF in Höhe von 24 Euro je Aktie – insgesamt mehr als elf Milliarden Euro – ab. Interims-Vorstandsvorsitzender Claus Rettig begründete die Entscheidung gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung mit einer skeptischen Haltung gegenüber Großübernahmen. "Wer sagt denn, dass Größe allein besser ist? Wir sehen in anderen Branchen, dass der Trend zur Fokussierung geht", sagte er.
Rettig, der für den erkrankten Christian Kullmann die Führung übernommen hat, betonte, Evonik sei in der Lage, den gebotenen Unternehmenswert aus eigener Kraft zu übertreffen. “Was die BASF geboten hat, liefern wir auch selbst, da kommen wir in unserer Planung sicher drüber”, erklärte er. Der Konzern habe klare Vorstellungen, wie er seinen Wert steigere. “Und bei der Konsolidierung unserer Industrie wollen wir selbst aktiv dabei sein”. “Wir haben etliche Ideen, aber Konsolidierung muss auch Wert schaffen und zu Wachstum führen. Wann immer sich dazu eine Option bietet, sind wir vorbereitet.”
Finanzielle Mittel vorhanden, aber keine Übernahmejagd
Evonik verfügt nach eigenen Angaben über ausreichende finanzielle Ressourcen, verfolgt jedoch keine proaktive Übernahmepolitik. "Die finanzielle Feuerkraft haben wir durchaus. Aber bisher verfolgen wir Übernahmen nicht proaktiv.", sagte Rettig. Zu Marktgerüchten über ein mögliches Interesse am US-Konkurrenten Ashland äußerte er sich nicht. "Zu Marktgerüchten äußern wir uns grundsätzlich nicht".
Rettig distanzierte sich ausdrücklich von sogenannten Giftpillen als Abwehrstrategie. "Eines aber möchte ich ganz klar sagen: Wir brauchen keine Giftpillen. Das würden wir auch nicht machen. Giftpillen sind am Ende nur giftig für uns selbst. Das wäre töricht."
Keine Sorge vor weiteren Übernahmeversuchen
Rettig zeigte sich gelassen gegenüber Spekulationen über mögliche weitere Übernahmeversuche. Befürchtungen, Evonik könne nach einem Rückzug der BASF zum Ziel arabischer Investoren werden, wies er zurück. "Heute hört man hier und da, dass dann die Araber kämen. Das halte ich für totalen Blödsinn", sagte er. "Wenn jemand käme und Richtung Ausgabepreis vom Börsengang böte, würde es kompliziert, so einen Kurs aus eigener Kraft zu erreichen. Aber davon sind wir ein ganzes Stück entfernt".
Zum Vergleich: Beim Börsengang 2013 lag der Ausgabepreis bei 32,20 Euro je Aktie – deutlich über dem aktuellen BASF-Angebot.