Die Europäische Staatsanwaltschaft hat ein kriminelles Netzwerk zerschlagen, das durch Umsatzsteuerbetrug beim Handel mit Luxusautos mutmaßlich rund 100 Millionen Euro Schaden verursacht haben soll. Bei der Aktion mit dem Codenamen Javelin wurden in fünf EU-Ländern 13 Personen festgenommen und Vermögenswerte in Millionenhöhe beschlagnahmt.
Ermittlungen in fünf EU-Ländern
Die Europäische Staatsanwaltschaft (EPPO) hat am Donnerstag mitgeteilt, dass ein grenzüberschreitendes Netzwerk durch Umsatzsteuerbetrug beim Import und Verkauf von Luxusautos einen geschätzten Schaden von 100 Millionen Euro verursacht haben soll. Die Ermittlungen unter dem Codenamen "Javelin" führten zu Durchsuchungen in Österreich, Kroatien, Tschechien, Deutschland und Polen. Über 900 Einsatzkräfte waren an den Maßnahmen beteiligt.
In Deutschland und Österreich wurden 13 Personen festgenommen. Mehr als 50 Verdächtige stehen insgesamt unter Untersuchung. Die Behörden beschlagnahmten Vermögenswerte im Wert von 26 Millionen Euro, darunter Immobilien in Berlin und Kroatien, Bankkonten, Fahrzeuge, Bargeld, Krypto-Vermögenswerte sowie eine Schusswaffe mit Munition und Luxusuhren.
Funktionsweise des Betrugssystems
Nach den vorliegenden Beweisen sollen fünf mutmaßliche Anführer und zwei Steuerberater seit mindestens 2016 ein sogenanntes Umsatzsteuerkarussell betrieben haben. Das System nutzte EU-Regeln aus, die grenzüberschreitende Transaktionen zwischen Mitgliedstaaten von der Mehrwertsteuer befreien.
Unternehmen in mehreren EU-Ländern, darunter Österreich und Tschechien, verkauften Luxusautos an Firmen in Berlin, die als "missing traders" agierten. Diese Firmen kauften die Fahrzeuge zum Nettopreis, ohne Mehrwertsteuer zu entrichten, und verschwanden anschließend, ohne die Steuer an die Behörden abzuführen.