Seit Juli 2026 sind die Stahlpreise in Europa gestiegen. Die EU beschränkt zollfreie Importe aus Drittstaaten, um die Branche vor Überkapazitäten zu schützen. Eine Analyse der Boston Consulting Group sieht darin laut einem Bericht des "Spiegel" den Hauptgrund für die Verteuerung.
Warmband um sechs Prozent teurer
Der Preis für Warmband, ein wichtiges Zwischenprodukt für Autoteile oder Profile, ist im nördlichen Europa seit Juli um sechs Prozent gestiegen, berichtet BCG. Das ist ungewöhnlich, da der Preis in den dritten Quartalen der Vorjahre meist sank.
Neben den EU-Zöllen könnten auch höhere Energie- und Transportkosten den Anstieg erklären – etwa durch Niedrigwasser auf dem Rhein. "Das neue Handelsregime erhöht die Auslastung der europäischen Stahlindustrie, sofern die Nachfrage nicht noch stärker zurückgeht als die zollfreien Importkontingente", sagte BCG-Expertin Nicole Voigt.
Zollkontingente nur zu 83 Prozent genutzt
Die EU erlaubt seit Juli nur noch 18,3 Millionen Tonnen zollfreie Stahleinfuhren pro Jahr; darüber hinaus fallen 50 Prozent Zoll an. Ziel ist der Schutz vor Überkapazitäten, vor allem aus China.
Im vergangenen Quartal wurden die Kontingente jedoch nur zu 83 Prozent genutzt, berichtet BCG. "Eventuell fällt es Importeuren auch schwer, die einzelnen zollfreien Kontingente für einzelne Länder genau zu füllen". "Oder es ist für einzelne Handelspartner nicht lukrativ, ihr Importkontingent in der EU voll auszuschöpfen, beispielsweise infolge von Antidumping-Maßnahmen.", sagte Voigt.
Weitere Schutzmaßnahmen geplant
Steigende Stahlpreise belasten zwar Branchen wie die Autoindustrie. Noch größer wäre der Schaden jedoch, wenn die hiesige Stahlindustrie nicht überleben würde, sagte Voigt. "Wir brauchen einen Großteil der Grundstoffproduktion vor Ort, um eine weitere Deindustrialisierung zu vermeiden."
Die EU-Kommission bereitet weitere Schutzklauseln vor, etwa eine deutliche Beschränkung der Importzahlen für Hybridautos. Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen kündigte an, auch die Chemie- und Pharmaindustrie sowie den Maschinenbau schützen zu wollen.