Der Dax blieb am Montagmittag ohne klare Tendenz und notierte leicht unter dem Vortagesniveau. Analyst Andreas Lipkow warnt vor wachsender Unsicherheit im KI-Sektor und den Folgen hoher Energiepreise für Märkte und Staatshaushalte.
KI-Sektor und Energiepreise als Risikofaktoren
"Die bislang wichtigste Stütze der Aktienrally gerät jetzt gleich von zwei Seiten ins Wanken", sagte Andreas Lipkow, Chef-Marktanalyst bei CMC Markets.
"Zum einen nehmen die Sorgen um den Hyperscaler Oracle und die Finanzierung der enormen Investitionen in KI-Rechenzentren zu. Zum anderen zwingt die Trainingspause von OpenAI die Anleger dazu, ihre bisherigen Annahmen über Wachstum und Monetarisierung im KI-Sektor neu zu kalkulieren. Nach der Euphorie der vergangenen Monate beginnt damit zunehmend die Phase der finanziellen Beweisführung. Die entscheidende Frage lautet nicht mehr, wie viel Geld in KI investiert wird, sondern wann und in welchem Umfang dieses Kapital entsprechende Erträge abwirft."
Volatilität und langfristige Belastungen
"Die Situation am Gesamtmarkt wird dadurch fragiler und könnte in den kommenden Handelstagen für deutlich höhere Volatilität sorgen. Gleichzeitig bleiben die hohen Energiepreise ein erheblicher Bremsklotz für den Aktienmarkt. Sollten sie nicht bald deutlich zurückgehen, drohen die Folgen weit über die nächsten Inflationsdaten hinauszureichen. Schwächerer Konsum und weitere Zinserhöhungen könnten Unternehmen und Verbraucher über mehrere Quartale belasten."
Staatsfinanzen unter Druck
Auch für die Staaten werde die Rechnung zunehmend unangenehm, so Lipkow. "Bleiben die Renditen auf hohem Niveau, steigen die Kosten für die Refinanzierung der hohen Staatsverschuldung und schränken damit den finanziellen Spielraum der Regierungen ein. Aus einem kurzfristigen Energiepreisschock könnte so zunehmend eine längerfristige Belastung für Konsum, Unternehmen und Staatshaushalte werden".
Am Montagnachmittag notierte der Euro bei 1,1371 US-Dollar, ein Dollar kostete 0,8794 Euro. Der Goldpreis gab stark nach und lag bei 4.157 US-Dollar pro Feinunze (–3 Prozent), was 117,52 Euro pro Gramm entspricht. Der Ölpreis (Brent) stieg dagegen auf 108,50 US-Dollar pro Fass (+4,0 Prozent).