Die Bundesbeauftragte gegen sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen, Kerstin Claus, sieht auf allen Ebenen politischen Handlungsbedarf. Bund, Länder und Kommunen müssten Lücken bei Schutzkonzepten, Finanzierung und Strukturen schließen, sagte sie der dts Nachrichtenagentur.
Lücken bei Schutzkonzepten und Finanzierung
Auf Bundesebene könnten nicht alle Regelungen getroffen werden, erklärte Claus. In elf Bundesländern gebe es zwar verpflichtende Schutzkonzepte für Schulen, "dann fehlen eben fünf". In den Ländern fehle zudem die "Qualitätssicherung". "Ansonsten ist es einfach ein stumpfes Schwert."
Zusätzlich gebe es Finanzierungslücken, "die sich in alle möglichen Bereiche deklinieren lassen". Spezialisierte Fachberatungen vor Ort würden nicht ausreichend sicher finanziert, für viele Kommunen seien sie freiwillige Leistungen. "Wir haben aber auch Entscheidungen, die schlicht nicht getroffen werden, die auf der Hand liegen".
Forderungen an Politik und Bildung
"Ich kann nicht nachvollziehen, warum es nicht in jedem Lehramtsstudium verpflichtend ist, dass man sich auch mit Kinderschutz beschäftigt, weil jedes Kind, das Missbrauch erfährt, geht in die Schule." Nötig seien nicht nur anonyme Beratungsstellen im Netz, sondern auch Ansprechpartner vor Ort.
"Das heißt, wir haben Finanzierungslücken und Strukturlücken und deswegen adressieren wir Kommunen, Bund und Länder und wir haben auch in Teilen die europäische Ebene". "Wir müssen ressortübergreifend handeln und dann bin ich bei der Stelle, wo ich sage, wir brauchen ein politisches Mandat zu diesem Handeln in jedem Bundesland. Aus meiner Sicht übrigens auch in jedem europäischen Mitgliedstaat."
Erster Bericht an Bundestagspräsidentin
Claus hatte zuvor den ersten Bericht ihres Amtes an Bundestagspräsidentin Julia Klöckner übergeben. Der Bericht benennt 15 politische Handlungsbedarfe für Bund, Länder und Kommunen. Bund, Länder und EU werden darin aufgefordert, die Empfehlungen der Expertenkommission „Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt“ vom September 2026 umzusetzen und zu finanzieren.