Die Bundeswehr hat zwischen 2023 und 2025 insgesamt 724 Fälle von Beschuldigungen gegen Soldaten wegen möglichen Verstoßes gegen die sexuelle Selbstbestimmung an die Justiz übergeben. Zudem wurden 452 Disziplinarverfahren eingeleitet, von denen bis Anfang November 2026 bereits 163 abgeschlossen waren. Eine Studie zu dem Thema soll demnächst vorgestellt werden.
Hunderte Fälle an Staatsanwaltschaften weitergeleitet
Eine Sprecherin des Bundesverteidigungsministeriums teilte dem "Redaktionsnetzwerk Deutschland" mit, dass die Bundeswehr zwischen 2023 und 2025 insgesamt 724 Fälle, in denen Soldaten wegen eines möglichen Verstoßes gegen die sexuelle Selbstbestimmung beschuldigt wurden, an die zuständigen Staatsanwaltschaften abgegeben hat. Sexuelles Fehlverhalten könne bereits unterhalb der Strafbarkeitsschwelle gegen soldatische Pflichten verstoßen und disziplinarrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen.
Zwischen 2024 und 2026 leitete die Bundeswehrdisziplinaranwaltschaft 452 Verfahren wegen sexuellen Fehlverhaltens ein. Bis zum 4. November 2026 seien davon 163 Verfahren rechtskräftig abgeschlossen worden, 84 durch Einstellung. Bei der Festlegung von Disziplinarmaßnahmen würden alle nachgewiesenen Pflichtverletzungen berücksichtigt, darunter auch sexuelles Fehlverhalten.
Studie soll Ausmaß des Problems erfassen
Die Bundeswehr sieht sich seit Jahren mit einer steigenden Zahl von Meldungen über sexuelles Fehlverhalten konfrontiert. Besonders die Vorfälle in Zweibrücken (Rheinland-Pfalz) und Weißenfels (Sachsen-Anhalt) erlangten öffentliche Aufmerksamkeit.
Um das Problem umfassend zu untersuchen, hat das Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr eine Dunkelfeldstudie in Auftrag gegeben. Dabei wurden alle Soldaten zu ihren persönlichen Erfahrungen befragt. Laut Bericht ist die Studie fertiggestellt. Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) plant, die Ergebnisse in der kommenden Woche im Bundestags-Verteidigungsausschuss vorzustellen. Zuvor soll die Truppe über die Resultate informiert werden.