Mängel an der Gottleubatalbrücke stoppen die Fertigstellung der teuersten Ortsumgehung Deutschlands.
Die geplante Verkehrsfreigabe der Südumfahrung Pirna verzögert sich erneut. Wie der Berliner Kurier berichtet, wurden an der Gottleubatalbrücke, dem Herzstück der 3,8 Kilometer langen Bundesstraße B 172n, Baumängel entdeckt. Betroffen sind die sogenannten Vouten, also die verbreiterten Übergangsbereiche zwischen den Brückenpfeilern und dem Überbau. An vier dieser Stahlbetonbauteile sei der Beton mangelhaft verarbeitet worden, heißt es. Die ausführende Baufirma habe den Fehler im April 2026 selbst bemerkt, wie die Projektgesellschaft DEGES mitteilte. Als Ursache gilt ein Ausführungsfehler: Schalungsmaterial wurde beim Betonieren nicht vollständig entfernt, wodurch Hohlräume entstanden. Eine unmittelbare Gefahr für die Standsicherheit bestehe laut Bundesregierung nicht, doch eine Reparatur sei unvermeidbar. Dafür werde ein Spezialbeton benötigt, den der Bund eigens zulassen muss, wie die Bild-Zeitung schreibt. Die Sanierung könne daher frühestens 2027 beginnen.
Brückenmängel erfordern Spezialbeton und Genehmigung
T-online bestätigt, dass die Mängel an den Y-förmigen Pfeilerköpfen der Brücke liegen, die für die Standfestigkeit entscheidend sind. Die Hohlräume müssten mit Spezialbeton verfüllt werden, wofür eine Sondergenehmigung des Bundes erforderlich sei. Die Kosten für die Nachbesserung trage der Auftragnehmer, heißt es sowohl beim Berliner Kurier als auch bei t-online. Die Gesamtkosten des Projekts sollen dadurch nicht steigen, betont die DEGES.
Kostenexplosion bei Pirnaer Umgehungsstraße
Ursprünglich war die Fertigstellung der Umgehung für 2022 geplant, doch geologische Herausforderungen am Kohlbergtunnel und Anpassungen an der Brückenplanung verschoben den Termin zunächst auf 2023, dann auf 2026. Nun wird 2027 angestrebt. Die Kosten sind indes massiv gestiegen: 1999 waren noch 70,6 Millionen D-Mark (ca. 36 Millionen Euro) veranschlagt, 2017 bereits 96,6 Millionen Euro. Aktuell liegt die Schätzung bei 288,4 Millionen Euro – rund 76 Millionen Euro pro Kilometer. Damit gilt die Ortsumgehung Pirna als teuerste ihrer Art in Deutschland.
Neue Umgehung soll Pirna vom Verkehr entlasten
Die neue Strecke soll die Innenstadt von Pirna vom Durchgangsverkehr entlasten und die Verbindung nach Bad Schandau sowie zur tschechischen Grenze verbessern. Bis zur vollständigen Freigabe muss der Verkehr weiterhin durch die Stadt fließen, was besonders für Ausflügler auf dem Weg ins Elbsandsteingebirge zu Staus führt. Ein westlicher Teilabschnitt der Umgehung ist bereits seit Dezember 2022 für den Verkehr freigegeben.