Ab 17. November testet München einen selbstfahrenden Linienbus mit Passagieren.
In München startet am 17. November ein Pilotprojekt, das den öffentlichen Nahverkehr revolutionieren könnte: Ein autonomer Elektrobus der Linie 178 nimmt erstmals Fahrgäste mit. Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet, wird der zwölf Meter lange Bus von MAN Truck & Bus auf einer Teilstrecke zwischen Petuelring und Freimanner Hölzl eingesetzt. Die Testphase soll bis Mitte Juni 2027 dauern, wobei bereits rund 2000 Interessierte ihre Teilnahme angemeldet haben.
Autonomer Bus mit 19 Sensoren im Test
Der Bus ist mit modernster Sensorik ausgestattet, darunter fünf Lidar-Sensoren, sechs Radargeräte und acht Kameras, die gemeinsam ein präzises Bild der Umgebung erstellen. Zusätzlich nutzt das Fahrzeug satellitengestützte Positionsdaten, um selbstständig zu lenken, zu bremsen und zu beschleunigen. Dennoch bleibt ein Sicherheitsfahrer an Bord, der im Notfall eingreifen kann. Laut ingenieur.de handelt es sich um einen MAN Lion’s City 12 E, der im Rahmen des Forschungsprojekts MINGA (Münchens automatisierter Nahverkehr) getestet wird. Das Projekt wird vom Bundesverkehrsministerium mit rund 13 Millionen Euro gefördert und umfasst neben dem autonomen Bus auch Erprobungen von Bus-Platoons und On-Demand-Fahrzeugen.
Sicherheitsfahrer bald durch Fernüberwachung ersetzt
Während der Testfahrten überwacht zusätzliches Personal die Systeme an Bord und in einer zentralen Leitstelle. Wie der Merkur berichtet, soll der Sicherheitsfahrer langfristig durch eine Fernüberwachung ersetzt werden. Die Strecke der Linie 178 bietet dabei ideale Bedingungen, da sie verschiedene Verkehrssituationen wie mehrspurige Straßen, Tempo-30-Zonen und Unterführungen umfasst. Dennoch betonen die Verantwortlichen, dass der Einsatz ohne Sicherheitsfahrer noch nicht absehbar ist. Frederik Zohm, Vorstand Forschung und Entwicklung bei MAN, erklärt, dass die Technik zunächst in weniger komplexen Umgebungen getestet werde, bevor sie in innerstädtischen Bereichen zum Einsatz komme.
MINGA-Projekt soll Nahverkehr revolutionieren
Das Projekt MINGA ist eine Kooperation zwischen der Landeshauptstadt München, der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG), MAN, den Stadtwerken München und mehreren Universitäten, darunter die Technische Universität München und die Universität Stuttgart. Ziel ist es, den öffentlichen Nahverkehr durch autonome Fahrzeuge zu ergänzen und so flexibler sowie effizienter zu gestalten. Gleichzeitig soll der Testbetrieb Aufschluss darüber geben, wie die Technik unter realen Bedingungen funktioniert und von den Fahrgästen angenommen wird.
Waymo plant autonomen Fahrdienst ab 2027 in München
Parallel zu den Testfahrten mit Passagieren wird in München auch die Erprobung autonomer Fahrzeuge anderer Anbieter vorbereitet. Wie der Merkur weiter berichtet, plant die Google-Schwesterfirma Waymo, ab Ende 2027 einen autonomen Fahrdienst in der Stadt anzubieten. Zuvor sollen jedoch zunächst Testfahrten mit geschultem Personal durchgeführt werden, um das Straßennetz zu kartieren.