Krise bei Audi: Gewinnsturz und Kritik an Chef Döllner
Der Autobauer Audi steckt in einer tiefen Krise. Im dritten Quartal 2026 verdiente die VW-Tochter nach Steuern nur noch 95 Millionen Euro – ein Rückgang von 87 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, als der Gewinn noch bei 718 Millionen Euro lag, wie der Focus und die Welt berichten. Nach neun Monaten beläuft sich der Gewinn auf 1,22 Milliarden Euro, der Umsatz auf 42 Milliarden Euro. Beide Werte liegen deutlich unter den Vorjahreszahlen. Angesichts der schwachen Entwicklung passte Audi seine Jahresprognose nach unten an, rechnet aber mit einer Erholung im vierten Quartal, wie Finanzchef Jürgen Rittersberger betont.
China und Zölle drücken Audi in die Knie
Als Hauptgründe für den Einbruch nennt Audi den Markteinbruch in China, insbesondere bei Verbrennern, sowie den zunehmenden Wettbewerbsdruck durch chinesische Hersteller auf dem europäischen Markt. Hinzu kommen Unsicherheiten durch die Lage im Nahen Osten, steigende Energiekosten und US-Zölle. Während Konkurrent Mercedes im dritten Quartal noch 1,52 Milliarden Euro Gewinn verbuchen konnte, kämpft Audi besonders hart – auch weil es kein eigenes Werk in den USA besitzt und wichtige Modellwechsel anstehen.
Audi setzt auf radikale Kostensenkung
Finanzchef Rittersberger unterstreicht den dringenden Handlungsbedarf: „Die Kennzahlen zeigen deutlich: Der Handlungsbedarf bei Audi ist hoch und duldet keinen Aufschub.“ Geplant sind konsequente Kostendisziplin, Komplexitätsreduktion und Effizienzsteigerungen. Konkrete Aussagen zu den Auswirkungen auf die deutschen Standorte bleiben jedoch aus. Mit der Zukunftsvereinbarung aus dem Vorjahr wurden bereits Maßnahmen wie der Abbau Tausender Jobs in Deutschland eingeleitet. Weitere Schritte sollen gemeinsam mit dem Gesamtbetriebsrat erarbeitet werden.
Döllner trifft Trump – Skandal um Firmenregeln
Zusätzliche Kritik zieht Audi-Chef Gernot Döllner auf sich, der am Wochenende überraschend mit US-Präsident Donald Trump auf einer Wahlkampfveranstaltung in Georgia auftrat. Trump kündigte dort Audis Pläne für ein neues Werk im Bundesstaat an, bevor Döllner auf die Bühne trat und dem Präsidenten für dessen Unterstützung dankte. Während Döllner den Auftritt als im Interesse des Unternehmens verteidigt, werfen ihm Kritiker vor, damit gegen Audis eigene Regeln verstoßen zu haben. Die Welt berichtet zudem von Rücktrittsforderungen.
Geheimnis um US-Werk in Georgia bleibt
Zu den genauen Bedingungen für das geplante Werk in Georgia hält sich Audi bedeckt. Finanzchef Rittersberger verweist auf Faktoren wie Infrastruktur, Arbeitskräfte und Förderkulisse. Ob der Deal bereits vor Produktionsstart Auswirkungen auf US-Zölle haben wird, bleibt offen. Die Diskussionen um Döllners Auftritt und die Zukunftspläne des Unternehmens werden voraussichtlich Thema einer außerplanmäßigen Sitzung des Audi-Aufsichtsrats sein, wie mehrere Quellen übereinstimmend melden.