Kritik an Wahlkampf-Auftritt: Döllner betont Unternehmensinteressen
Der Auftritt von Audi-Chef Gernot Döllner an der Seite von US-Präsident Donald Trump bei einer Wahlkampfveranstaltung löst weiterhin scharfe Kritik aus. Wie die Tagesschau berichtet, wirft ihm die VW-Konzernbetriebsratsvorsitzende Daniela Cavallo vor, gegen interne Richtlinien verstoßen zu haben. Diese sehen vor, dass in den drei Monaten vor Wahlen keine öffentlich wirksamen Termine mit zur Wahl stehenden Politikern stattfinden dürfen. Die US-Zwischenwahlen sind für den 3. November angesetzt.
VW-Mitarbeiter als Teil politischer Inszenierung
Cavallo bezeichnete den Auftritt als „aktive Wahlkampfhilfe“ und betonte, Döllner habe sich damit zum „Teil einer politischen Inszenierung“ machen lassen, die gegen die Werte des Unternehmens verstoße. Auch IG-Metall-Chefin Christiane Benner kritisierte den Auftritt als „politisch inakzeptabel“ und verwies auf die eigenen Unternehmensregeln zur politischen Neutralität. N-tv zitiert Döllner mit der Begründung, man sei im Rahmen von Verhandlungen gebeten worden, die Pläne gemeinsam mit Trump vorzustellen. Die Entscheidung sei „ausschließlich im Interesse des Unternehmens“ getroffen worden.
Audi rechtfertigt Trump-Auftritt mit Milliardeninvestition
Gleichzeitig räumte er ein, dass der Rahmen der Ankündigung als politisches Signal wahrgenommen wurde. Audi betont, die Teilnahme habe der Wahrnehmung konkreter Unternehmensinteressen gedient und sei keine parteipolitische Positionierung. Der geplante Bau eines Werks in Georgia mit Investitionen von 4,2 Milliarden Dollar und 4.500 neuen Arbeitsplätzen stehe im Mittelpunkt. Auch aus der Politik kam Kritik: SPD-Generalsekretär Tim Klüssendorf forderte Konsequenzen vom VW-Konzern und bezeichnete den Auftritt als „Skandal“.
SPD-Politiker kritisieren VW-Präsenz
Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) sah die Wahlkampfveranstaltung als „nicht den richtigen Ort“ für die Ankündigung. Döllner verteidigte die Investition als strategisch wichtig, um die globale Wettbewerbsfähigkeit von Audi zu stärken. Die USA seien der zweitgrößte Premiummarkt der Welt, und eine lokale Produktion reduziere Handels- und Währungsrisiken. Die Welt zitiert zudem die SPD-Verkehrspolitikerin Isabel Cademartori, die den Auftritt als „absolut indiskutabel“ und „Schande“ bezeichnete, insbesondere vor dem Hintergrund der VW-Geschichte.