Am Dienstagabend (27. Oktober) verwandelte sich die Innenstadt von Osnabrück erneut in einen bunten Schauplatz für das traditionelle Steckenpferdreiten. Zum 75. Mal ritten rund 1.400 Viertklässlerinnen und Viertklässler der Grund- und Förderschulen mit selbstgebastelten Steckenpferden und farbenfrohen Hüten über den Marktplatz, um an die Verkündung des Westfälischen Friedens am 25. Oktober 1648 zu erinnern.
Tradition seit 1953
Seit 1953 ist das Steckenpferdreiten ein fester Bestandteil des Osnabrücker Veranstaltungskalenders. Die Tradition geht auf ein Friedensritual im Jahr 1650 zurück, als Jungen in Nürnberg auf Steckenpferden ritten, um ein symbolisches Friedenszeichen zu erbitten. Diese Idee griffen die emsländischen Schwestern Clara und Emmy von Dincklage in ihrem Buch „Geschichten für die Jugend“ aus dem Jahr 1875 auf und verlegten das Geschehen nach Osnabrück. Der Stadtarchivar Ludwig Bäte ließ diese Tradition 1948 im Rahmen der Friedensgedächtniswoche zum 300. Jahrestag des Westfälischen Friedens wieder aufleben.
Die Reiterinnen und Reiter holten sich eine süße Brezel von Oberbürgermeisterin Katharina Pötter ab. / Foto: Dominik Lapp
Oberbürgermeisterin Katharina Pötter eröffnete den festlichen Umzug um 17:00 Uhr wie immer auf dem Schulhof der Domschule. Von dort aus zogen die Kinder mit ihren selbstgebastelten Steckenpferden durch die Innenstadt bis zur Rathaustreppe, wo ihnen süße Brezeln als symbolisches Friedenszeichen überreicht wurden. „Das Steckenpferdreiten ist für mich der schönste Termin im Osnabrücker Kalender“, betont Pötter seit Jahren immer wieder. Gemeinsam mit den Ratsmitgliedern Brigitte Neumann (CDU) und Andre Klekamp (SPD) verteilte sie die Brezeln, bevor die Schülerinnen und Schüler sich auf dem Marktplatz versammelten.
Friedliche Feierstimmung
Ein farbenfrohes und unterhaltsames Programm erwartete die jungen Reiterinnen und Reiter sowie die Zuschauerinnen und Zuschauer. Eine Feuer-Jonglage, das alljährliche Theaterstück „Der Streit der Farben“, das in den Fenstern des historischen Rathauses – nachdem es zunächst ein technisches Problem mit der Beleuchtung gab – aufgeführt wurde und gemeinsames Singen mit Entertainer Stephan Rodefeld sorgten auch in diesem Jahr für eine friedliche Feierstimmung.
Auf dem Marktplatz gab es wieder eine Show mit Musik, Schattentheater, Feuer- und Lasershow. / Foto: Dominik Lapp
Das Steckenpferdreiten ehrt nicht nur den historischen Frieden von 1648, sondern vermittelt den Kindern auf spielerische Weise die Bedeutung von Frieden und Toleranz. Für viele Osnabrückerinnen und Osnabrücker ist diese Tradition ein einmaliges Erlebnis, das noch Jahre später in Erinnerung bleibt.
Übrigens: Im Jahr 2024 ist ein Comic-Buch über das Osnabrücker Steckenpferdreiten veröffentlicht worden, das die Geschichte und Bedeutung dieser besonderen Tradition kindgerecht aufbereitet.
“Der Streit der Farben” in den Fenstern des Rathauses. / Foto: Dominik Lapp
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