Die Polizeiinspektion Osnabrück hat ihre Verkehrsunfallstatistik für 2025 vorgestellt. Die Zahl der Unfälle stieg in Stadt und Landkreis Osnabrück gegenüber dem Vorjahr um 4,5 Prozent – gleichzeitig sank die Zahl der Verkehrstoten deutlich. Besonders auffällig sind die steigenden Unfallzahlen bei Fahrrädern, E-Bikes und E-Scootern.
Insgesamt nahm die Polizeiinspektion Osnabrück im vergangenen Jahr 13.298 Verkehrsunfälle auf. Das waren 577 mehr als im Vorjahr und entspricht einem Anstieg von rund 4,5 Prozent. Im Zehnjahresvergleich ist das der zweithöchste Wert. Nur 2023 lag die Zahl mit 13.362 Unfällen noch darüber.
Statistisch ist der Mai der gefährlichste Monat im Straßenverkehr
Die meisten Unfälle wurden 2025 im Mai registriert, die wenigsten im Februar. Für das laufende Jahr könnte sich dieser jahrelange Trend mit dem besonders gefährlichen Monat Mai geändert haben, prognostiziert Ann Oldiges, Leiterin Einsatz & Verkehr, angesichts der winterlichen Straßenverhältnisse zu Jahresanfang. Als Gründe für die Häfung der Unfallzahlen zu Jahresbeginn wird vermutet, dass sich dann durch das bessere Wetter wieder mehr Menschen am Verkehr beteiligen. Insbesondere auch mit Fahrrädern aber auch E-Rollern, die inzwischen massiv zu den Unfallzahlen und bei den festgestellten Alkoholfahrten in der Region Osnabrück beitragen.
Erfasst wurden für die aktuelle Statistik alle polizeilich aufgenommenen Verkehrsunfälle in der Stadt Osnabrück, im Landkreis Osnabrück sowie auf Teilabschnitten der Autobahnen A1, A30 und A33 im Zuständigkeitsbereich der Polizeiinspektion Osnabrück.
Halb so viele Verkehrstote in der Region Osnabrück wie im Vorjahr
Trotz der Zunahme der Unfallzahlen gibt es eine wichtige Gegenbewegung: Die Zahl der Verkehrstoten hat sich halbiert. 2025 kamen im Zuständigkeitsbereich der Polizeiinspektion Osnabrück 17 Menschen bei 16 Unfällen ums Leben. Im Vorjahr waren es noch 34 Todesopfer gewesen. Die Polizei spricht dabei von einem „historischen Tiefstwert“ in der Region.
Entwicklung der Unfallzahlen im Bereich der Polizeiinspektion Osnabrück / Quelle: Verkehrsunfallstatistik der Polizeiinspektion Osnabrück
Unter den Todesopfern waren fünf Senioren, ein junger Fahrer und auch ein Kind. Fünf Motorradfahrer, zwei Radfahrer beziehungsweise Pedelecfahrer und ein Fußgänger kamen ums Leben. Außerdem wurden drei tödliche Unfälle der Kategorie Baumunfälle zugeordnet.
Die Zahl der Schwerverletzten ging ebenfalls zurück: 415 Menschen wurden schwer verletzt, im Vorjahr waren es 467. Die Zahl der Leichtverletzten stieg dagegen leicht von 2.328 auf 2.339.
Mehr Unfälle im Stadtgebiet Osnabrück – aber kein Todesopfer
Besonders deutlich fällt der Anstieg in der Stadt Osnabrück aus. Dort wurden 2025 insgesamt 5.324 Verkehrsunfälle registriert. Im Vorjahr waren es noch 4.646. Das entspricht einem Plus von rund 15 Prozent.
Bei den Unfallfolgen fällt auf: Im Stadtgebiet wurde 2025 keine Person im Straßenverkehr getötet. 106 Menschen wurden jedoch bei Unfällen schwer verletzt, 870 leicht verletzt. Insgesamt kamen damit 959 Personen bei Unfällen zu Schaden.
Auch bei den Rad- und Pedelec-Unfällen bleibt Osnabrück auf hohem Niveau. 548 Unfälle mit Rad- oder Pedelec-Beteiligung wurden in der Stadt gezählt. Im Vorjahr waren es 510. Dabei stieg vor allem die Zahl der Pedelec-Unfälle deutlich: von 175 auf 226.
Entwicklung der Zahlen bei Unfallopfern in der Stadt Osnabrück / Quelle: Verkehrsunfallstatistik der Polizeiinspektion Osnabrück
Radfahrer und Pedelecs: Die Großbaustelle der Verkehrssicherheit
Im gesamten Bereich der Polizeiinspektion Osnabrück wurden 1.071 Unfälle mit Radfahrerbeteiligung aufgenommen. Das ist ein Plus von mehr als sechs Prozent gegenüber dem Vorjahr. Darunter waren 433 Unfälle mit Pedelec-Beteiligung.
Die Unfallfolgen bleiben erheblich: Zwei Radfahrer kamen ums Leben, darunter ein Pedelecfahrer und ein siebenjähriges Kind. 135 Rad- oder Pedelecfahrer wurden schwer verletzt, 707 leicht verletzt.
Bei Unfällen, an denen Fahrräder mit Motorunterstützung beteiligt waren, setzten die Fahrer in 46 Prozent der Fälle die Hauptursache für den Unfall. Bei klassischen Fahrradfahrern waren es 52 Prozent.
E-Scooter: Unfallzahlen und Trunkenheitsfahrten steigen in Osnabrück
Ein besonders deutlicher Anstieg zeigt sich bei E-Scootern. 2025 wurden 143 Verkehrsunfälle mit Beteiligung von E-Scootern polizeilich aufgenommen. Im Jahr zuvor waren es 91. Damit legte diese Kategorie um mehr als die Hälfte zu.
Auch die Verletztenzahlen stiegen bei den oft gemieteten Rollern deutlich: 20 Personen wurden schwer verletzt, 100 leicht. Als Hauptunfallverursacher wurden 31 E-Scooter-Fahrer registriert. In der Statistik tauchen zudem 54 Trunkenheitsfahrten oder Fahrten unter Einfluss von Betäubungsmitteln im Zusammenhang mit E-Scootern auf.
Nach Einschätzung der Polizeiinspektion Osnabrück fehlt es vielen Nutzern der Leih-Roller an der Kenntnis, dass sie juristisch ein „Kraftfahrzeug“ bewegen. Auch wenn für einen E-Scooter grundsätzlich kein Führerschein benötigt wird, kann dieser bei einer Alkoholfahrt schnell weg sein – denn auf dem E-Scooter gelten dieselben strengen Grenzwerte wie beim Alkohol am Steuer eines Pkw.
Unfallflucht: Jeder vierte Unfall in Stadt und Landkreis endet mit „Abhauen“
Ein weiterer auffälliger Wert betrifft Verkehrsunfallfluchten. 3.402 Fälle wurden 2025 registriert – nach 3.302 im Jahr zuvor. Damit entfällt etwa jeder vierte polizeilich aufgenommene Unfall auf diese Kategorie.
Die Aufklärungsquote lag bei rund 39 Prozent. Besonders schwer wiegt, dass auch die Zahl der Unfallfluchten mit Verletzten stieg: 217 solcher Fälle wurden gezählt. Im Vorjahr waren es 183 – ein Plus von etwa 19 Prozent.
Alkohol und Drogen: Mehr Fälle auf Osnabrücks Straßen „unter Einfluss“
Auch Alkohol und Drogen bleiben ein großes Thema. Im Bereich der Polizeiinspektion Osnabrück wurden 2025 insgesamt 1.763 Fälle registriert, bei denen Alkohol oder Drogen im Straßenverkehr eine Rolle spielten. Im Vorjahr waren es 1.586.
Die Statistik unterscheidet zwischen Unfällen und sogenannten folgenlosen Fahrten. 270 Unfälle ereigneten sich unter Alkoholeinfluss, 55 unter Drogeneinfluss. Hinzu kamen 649 folgenlose Alkoholfahrten und 789 folgenlose Drogenfahrten. Bei den Drogenfahrten wurden 228 Fälle mit THC-Einwirkung gezählt. Hier sehen die Polizeibeamten einen deutlichen Einfluss durch die Legalisierung von Cannabis.
Landkreis Osnabrück, auch hier: Mehr Unfälle, weniger Tote
Im Landkreis Osnabrück wurden 2025 insgesamt 6.894 Verkehrsunfälle registriert. Das sind rund vier Prozent mehr als im Vorjahr. Gleichzeitig sank die Zahl der Verkehrstoten deutlich: 15 Menschen kamen ums Leben, im Vorjahr waren es noch 30.
1.606 Personen wurden im Landkreis verletzt. Darunter waren 285 Schwerverletzte und 1.306 Leichtverletzte.
Bei den Rad- und Pedelec-Unfällen wurden im Landkreis 523 Fälle registriert. Zwei Radfahrer beziehungsweise Pedelecfahrer erlitten tödliche Verletzungen. 86 Personen wurden schwer, 354 leicht verletzt.
Baumunfälle: Weniger Fälle, aber oft tödlich
Baumunfälle werden in der Statistik nur für den Landkreis ausgewertet. 2025 sank ihre Zahl auf 130 Fälle. Im Vorjahr waren es 141. Dennoch bleibt diese Unfallart besonders folgenschwer: Vier Menschen kamen bei Baumunfällen ums Leben, 33 wurden schwer und 77 leicht verletzt.
Die Polizei verweist darauf, dass an Baumunfallstrecken unter anderem Tempolimits und Schutzplanken eine Rolle spielen. Nach schweren oder tödlichen Baumunfällen finden zudem regelmäßig Ortstermine mit den Trägern der Verkehrssicherheitsarbeit statt.
Eine weitere auffällige Zahl kommt aus dem Landkreis: 1.728 Wildunfälle wurden 2025 registriert. Das sind rund zwölf Prozent mehr als im Vorjahr. In den meisten Fällen blieb es bei Sachschäden, bei 37 Unfällen wurden jedoch auch Menschen verletzt.
Autobahnen rund um Osnabrück: Deutlich weniger Unfälle auf A1, A30 und A33
Auf den Autobahnen im Zuständigkeitsbereich der Polizeiinspektion Osnabrück zeigt die Statistik in eine andere Richtung. Auf A1, A30 und A33 wurden 1.080 Unfälle registriert. Im Vorjahr waren es noch 1.453. Das entspricht einem Rückgang um rund 26 Prozent.
Als Grund vermutet die Polizei die deutlich reduzierte Zahl von Baustellen. Allerdings gab es auch auf den Autobahnen 2025 zwei Todesopfer. 24 Personen wurden schwer, 163 leicht verletzt.
Positiver Trand auch auf den Autobahnen – Grund sind hier vor allem weniger Baustellen im Jahr 2025 / Quelle: Verkehrsunfallstatistik der Polizeiinspektion Osnabrück
Die Zahl der Lkw-Unfälle sank ebenfalls deutlich: von 542 auf 397. Bei den Hauptursachen wurden unter anderem Überholvorgänge, zu geringer Sicherheitsabstand und fehlerhafte Fahrstreifenwechsel erfasst.
Die häufigsten Fehler: Tempo, Abstand, Abbiegen – und Ablenkung
Bei den Unfallursachen tauchen auch 2025 die bekannten Klassiker auf: nicht angepasste Geschwindigkeit, zu geringer Abstand, Fehler beim Überholen, Vorfahrtsverstöße, Fehler beim Abbiegen, Wenden oder Rückwärtsfahren, Fehler beim Fahrstreifenwechsel sowie Ablenkungen aller Art.
Für die Polizei bleiben deshalb die Schwerpunkte Fahrtüchtigkeit, Geschwindigkeit und Radverkehr zentral. Auch 2026 sollen regelmäßige Schwerpunktkontrollen in und um Osnabrück stattfinden – insbesondere mit Blick auf Verstöße von und gegenüber Radfahrern.
Unfallaufnahme inzwischen auch mit Drohnen-Einsatz
Für die Aufnahme von Verkehrsunfällen setzt der Zentrale Verkehrsdienst der Polizeiinspektion Osnabrück inzwischen auch eine Drohne ein. Darüber berichten wir in der HASEPOST in einem weiteren Artikel.