# Wohnungsfrage in Osnabrück spitzt sich zu: Streit um Kurs der städtischen WiO nimmt Fahrt auf Datum: 13.04.2026 16:00 Kategorie: Aktuell URL: https://hasepost.de/wohnungsfrage-in-osnabrueck-spitzt-sich-zu-streit-um-kurs-der-staedtischen-wio-nimmt-fahrt-auf-701716/ --- Osnabrück ringt um bezahlbaren Wohnraum – und um den richtigen Weg dorthin. Die kommunale Wohnungsgesellschaft WiO steht dabei im Zentrum politischer Debatten. Während die Stadtspitze ihre strategische Ausrichtung bekräftigt, wächst die Kritik aus der Politik. Mehrere Parteien mahnen zu mehr Tempo und deutlich größeren Zielen. ## Vom Bürgerentscheid zur strategischen Neuausrichtung Nach einem erfolgreichen Bürgerentscheid wurde im Jahr 2020 die kommunale Wohnungsgesellschaft „WiO – Wohnen in Osnabrück GmbH“ gegründet. Nach einer ersten Aufbauphase soll nun der nächste Schritt folgen: Neben der Schaffung von weiterem bezahlbaren Wohnraum geht es vor allem darum, die Gesellschaft langfristig wirtschaftlich tragfähig aufzustellen. Die WiO verfolgt weiterhin das Ziel, bis 2030 insgesamt 1.000 neue Wohnungen zu schaffen. Dieses Ziel gilt als wichtiger Baustein im Kampf gegen den Wohnungsmangel in der Stadt. Doch der Fortschritt bleibt hinter den Erwartungen zurück: Bislang sind erst 350 Wohnungen realisiert oder konkret geplant. Als Gründe gelten vor allem stark gestiegene Baukosten und schwierige Rahmenbedingungen im Wohnungsbau. Gleichzeitig stellt sich zunehmend die Frage, ob das 1.000-Wohnungen-Ziel überhaupt ausreicht, um den Bedarf langfristig zu decken. ### Kritik von Alferink an Pötter: „Wahlkampfgetriebener Kurswechsel“ Scharfe Kritik kommt vom SPD-Oberbürgermeister-Kandidaten Robert Alferink. Er wirft Oberbürgermeisterin Katharina Pötter einen „wahlkampfgetriebenen Kurswechsel“ vor. Während sie die WiO früher kritisch gesehen und Wohnen als „Privatsache“ bezeichnet habe, unterstütze sie nun plötzlich Maßnahmen zur Stärkung der Gesellschaft. Besonders stößt ihm eine geplante Maßnahme auf: Die Stadt soll auf Zinsen – immerhin rund 400.000 Euro, wie in einem Pressegespräch mitgeteilt wurde – verzichten, was Alferink als versteckte Subvention bewertet. Er bezeichnet das Vorgehen als „unglaubwürdig und widersprüchlich“. Darüber hinaus kritisiert er die grundsätzliche Wohnungspolitik der vergangenen Jahre. Diese habe den Wohnungsbau nicht ausreichend gefördert, wodurch der Druck auf dem Markt heute besonders hoch sei. WiO-Geschäftsführer Bernd Wortmeyer beim Pressegespräch im Osnabrücker Rathaus. / Foto: Dominik Lapp ### Mieten steigen, soziale Frage verschärft sich Die Lage auf dem Wohnungsmarkt beschreibt der SPD-Mann als zunehmend dramatisch. Für Neubauten würden teils bis zu 18 Euro pro Quadratmeter kalt verlangt. Für viele Menschen sei das nicht mehr bezahlbar. Er sieht darin ein strukturelles Versagen der bisherigen Politik und zieht Parallelen zur Bundespolitik. Seine Forderung: eine deutlich stärkere Rolle der Stadt. Die WiO müsse konsequent ausgebaut werden, um Wohnungen im Bereich von 6 bis 7,50 Euro pro Quadratmeter anbieten zu können. Zusätzlich fordert er eine aktive Bodenpolitik, schnellere Planungs- und Genehmigungsverfahren sowie eine klare Priorisierung von bezahlbarem Wohnraum in neuen Baugebieten. Sein Fazit: Wohnen sei die zentrale soziale Frage in Osnabrück – und verlange „Verlässlichkeit statt Wahlkampfpolitik“. ### Grüne und SPD: 1.000 Wohnungen sind nur ein Anfang Auch von anderer Seite wird deutlich, dass die bisherigen Ziele nicht ausreichen dürften. Vertreter von Grünen und SPD verweisen darauf, dass bis 2040 bis zu 2.200 geförderte Wohnungen benötigt werden. Das Ziel von 1.000 Wohnungen bis 2030 wird zwar unterstützt und als erreichbar eingeschätzt – jedoch lediglich als Zwischenschritt. Eine grundlegende Neuausrichtung sehen sie in der aktuellen Strategie nicht, sondern vielmehr die Fortsetzung des Kurses seit dem Bürgerentscheid. Für sie ist die WiO ein klarer Bürgerauftrag und ein zentrales Instrument der öffentlichen Daseinsvorsorge. Wohnen dürfe nicht als Privatsache betrachtet werden. ### Mehr Tempo, neue Wege beim Bauen Bis Ende 2026 werden rund 350 fertiggestellte Wohnungen erwartet. Zudem sollen weitere 100 Wohnungen im Landwehrviertel und 50 im Stadtteil Schinkel entstehen. Insgesamt, so hieß es in der vergangenen Woche im Pressegespräch, habe man acht Standorte identifiziert, die bebaut werden sollen. Um schneller voranzukommen, setzen die Verantwortlichen auf optimierte Abläufe innerhalb der WiO und auf effizientere Bauweisen wie serielles Bauen. Zudem sollen verstärkt Alternativen zum klassischen Neubau geprüft werden, darunter Aufstockungen, Nachverdichtung und Sanierungen. Gleichzeitig wird angestrebt, bezahlbares Wohnen mit nachhaltigem Bauen zu verbinden. Einigkeit besteht zumindest in einem Punkt: Der Bedarf an günstigem Wohnraum bleibt hoch – und die Bedeutung der WiO wird weiter wachsen. --- Quelle: Hasepost.de - Die Zeitung für Osnabrück