# Wenn der Schlaf versagt: Was die Wissenschaft über pflanzliche Cannabinoide wirklich weiß Datum: 21.05.2026 00:32 Kategorie: Deutschland & die Welt URL: https://hasepost.de/wenn-der-schlaf-versagt-was-die-wissenschaft-ueber-pflanzliche-cannabinoide-wirklich-weiss-714582/ --- Rund ein Drittel der deutschen Erwachsenen schläft eigenen Angaben zufolge regelmäßig schlecht. Die DAK-Gesundheitsstudie „Schlafbericht 2017″ dokumentierte, dass 80 Prozent der Berufstätigen unter Schlafproblemen leiden, und neuere Auswertungen zeigen, dass sich dieser Trend fortsetzt. Gleichzeitig wächst das Interesse an pflanzlichen Alternativen zu klassischen Schlafmitteln. Eine davon, Cannabidiol oder kurz CBD, ist seit einigen Jahren in den Fokus der Wissenschaft gerückt. ## Wie häufig sind Schlafprobleme in Deutschland? Schlafstörungen gehören laut Robert Koch-Institut (DEGS1) zu den häufigsten Beschwerden in der Allgemeinbevölkerung. Etwa jede dritte dort befragte Person gibt an, mindestens dreimal pro Woche schlecht zu schlafen. Die Folgen gehen weit über Müdigkeit hinaus, Konzentrationsschwäche, Reizbarkeit, geschwächtes Immunsystem und erhöhtes Risiko für Krankheiten des Herz-Kreislaufsystems sind klinisch gut dokumentiert. Schlafmediziner differenzieren grundsätzlich zwischen Ein- und Durchschlafstörungen sowie nicht erholsamem Schlaf. Die Gründe hierfür sind so vielfältig wie die Menschen selbst: chronischer Stress, Schichtarbeit, Handy oder Fernsehnutzung am Abend, zugrunde liegende Erkrankungen wie Angststörungen usw. Die Diagnosekriterien für eine klinisch relevante Insomnie sind in der S3-Leitlinie Insomnie der AWMF beschrieben und setzen unter anderem voraus, dass die Beschwerden mindestens dreimal pro Woche über einen Zeitraum von drei Monaten auftreten. ## Cannabidiol und der Schlaf – was sagt die Studienlage? Cannabidiol (CBD) ist ein nicht psychoaktives Cannabinoid aus der Hanfpflanze Cannabis sativa. Es bindet nicht direkt an die CB1 Rezeptoren des Endocannabinoid-Systems, beeinflusst aber indirekt Serotoninrezeptoren des Typs 5-HT1A und kann die Verfügbarkeit von Adenosin erhöhen, einem körpereigenen Botenstoff, der Schläfrigkeit fördert. CBD-Produkte gibt es in verschiedenen Formen, die unterschiedliche Aufnahmewege eröffnen. CBD Blüten sind getrocknete Hanfblüten, die neben CBD auch weitere Terpene und Cannabinoide enthalten. Der sogenannte Entourage-Effekt besagt, dass diese Stoffe zusammen eine stärkere Wirkung entwickeln als isoliert eingesetzte Extrakte, obwohl dieser Wirkmechanismus wissenschaftlich insofern noch nicht abschließend geklärt ist. Die Studienlage ist steigend, aber noch heterogen. Eine vielzitierte Beobachtungsstudie von Shannon et al. (2019, Permanente Journal) an 72 erwachsenen Patienten mit Angst- und Schlafproblemen ergab nach einem Monat täglicher CBD-Einnahme von 25 mg, daß 66,7 Prozent der Teilnehmer mit Schlafstörungen von einer Verbesserung berichteten. Im zweiten Monat schwankten die Werte wieder. Entscheidend für die Einordnung: Es handelte sich um eine Fallserie ohne Kontrollgruppe, keine randomisierte klinische Studie. Eine systematische Übersichtsarbeit von Babson, Sottile und Morabito (2017, Current Psychiatry Reports) schloß für CBD bei angstbedingten Schlafproblemen, es könne das Einschlafen begünstigen, betonte aber ebenfalls den erheblichen Mangel an Langzeitstudien und an einheitlichen Dosierungsprotokollen. Die verwendeten Dosierungen in der Literatur variieren zwischen 25 mg bis 1.500 mg/Tag, je nach Studienkonzeption und Indikationsstellung. ## Rechtliche Rahmenbedingungen und Qualitätskriterien In Deutschland sind CBD-haltige Produkte mit einem THC-Gehalt von unter 0,2 % legal, insofern sie aus zugelassenen Nutzhanfsorten gewonnen werden. Zwar sind CBD-Produkte, als Nahrungsergänzungsmittel eingestuft, von einer arzneimittelrechtlichen Prüfung ausgeschlossen, was zu erheblichen qualitativen Schwankungen zwischen den Anbietern führt. In ihrem Bericht aus 2022 merkt die Bundesanstalt für Risikobewertung (BfR) an, dass die zur Verfügung stehenden Daten zu CBD in Lebensmitteln nicht ausreichen, um Aussagen zur gesundheitlichen Unbedenklichkeit für die verschiedenen Verbrauchergruppen zu treffen. Beim Kauf sollte ein unabhängiges Laborprotokoll, das sog. Certificate of Analysis (CoA), vorliegen, welches Cannabinoid-Profil, THC-Gehalt sowie Pestizidbelastung ausweist. Herkunft und Verfahren der Extraktion sind ebenfalls wichtig: die CO₂-Extraktion gilt als schonendstes und rückstandsärmeres Verfahren. Der Anbau aus zertifiziertem EU-Nutzhanfsaatgut ist ein weiterer Hinweis auf Produktgüte. Alle gesundheitsbezogenen Werbeaussagen, die über die Vorgaben der EU-Verordnung 1924/2006 hinausgehen, sind rechtlich unzulässig und gelten als Warnsignal. Vor regelmäßiger Einnahme ist das Gespräch mit der Ärztin oder dem Arzt ratsam, insbesondere bei Vorerkrankungen oder laufenden Medikationen, da CBD das Cytochrom-P450-Enzymsystem der Leber beeinflusst und damit die Verstoffwechselung bestimmter Arzneimittel verändert, was in der klinischen Praxis problematisch sein kann. --- Quelle: Hasepost.de - Die Zeitung für Osnabrück