# Was das Publikum im April beim 39. European Media Art Festival in Osnabrück erwartet Datum: 23.03.2026 04:00 Kategorie: Aktuell URL: https://hasepost.de/was-das-publikum-im-april-beim-39-european-media-art-festival-in-osnabrueck-erwartet-692786/ --- Das European Media Art Festival (EMAF 2026) gibt erste Einblicke in die Beiträge der diesjährigen Filmprogramme. Insgesamt wurden aus den Einreichungen des Open Call 30 aktuelle Kurz- und vier Langfilme ausgewählt, die in Dialog treten mit drei weiteren, historischen Filmen. Angesiedelt zwischen formalem Experiment und popkulturellem Spiel, dokumentarischem Rückblick und kritischer Gegenwartsanalyse zeigen diese Arbeiten die Wandlungsfähigkeit von Film als künstlerischem und politischem Medium. ## Zahlreiche Kurzfilme regen zum Nachdenken an Zahlreiche Kurzfilme setzen sich mit subversiver Energie und trotzigem Humor gegen verordnetes Schweigen und politische Ohnmacht zur Wehr. What We Said to Brussels Airlines (BE/CD 2026) des kongolesisch-belgischen Collectif Faire-Part befragt schonungslos die Widersprüche künstlerischer Auftragsarbeiten: Wie zum Beispiel umgehen mit dem Angebot einer belgischen Fluggesellschaft, die Filme des Kollektivs, die tief im antikolonialen Widerstand verwurzelt sind, auf ihren Flügen auszustrahlen? Die vier Künstlerinnen und Künstler lassen uns teilhaben an ihrem Nachdenken über Formen der Verstrickung und Möglichkeiten der Intervention. Alee Peoples‘ Slowest Smile (US 2025) verbindet Bilder und Töne, Theorie und Gesang zu einem unorthodoxen Versuch, den Niedergang eines Imperiums zu beschreiben: vom Wimmelbild kapitalistischer Ausbeutung zum Bildersturz in römischer Kulisse, vom langsamsten Lächeln zum sinkenden Schiff. ### Spannende Filme zeigen spektakuläre Geschichten An die Stelle jener Infrastrukturen, die die scheinbare Normalität unserer Gegenwart stützen, setzen eine Reihe von Filmen gemeinsame Aktion und die informelle Weitergabe von Wissen. A Bundle of Silences(PR 2025) von Sofia Gallisá Muriente rekonstruiert einen Banküberfall aus dem Jahr 1983, bei dem eine puertoricanische revolutionäre Gruppe mehrere Milionen Dollar von einer US-amerikanischen Bank erbeutete. Der Protagonist der Aktion, Víctor Gerena, wurde bis heute nicht gefasst. In einer eigenwilligen Mischung aus persönlichen Rückblicken, Archivmaterial und mit Kaffee und Tabak entwickeltem Filmmaterial reflektiert die Arbeit über Erinnern und Schweigen. Tulapop Saenjaroen fragt in Local Sensations (TH 2026), wie wir die Gegenwart festhalten und Vergangenes vergegenwärtigen können ohne Rückgriff auf die gewaltvolle Ordnung des Monumentalen. Der Film verwebt grafisch gestalteten Text mit Aufnahmen kollektiver Prozesse: Instabile Formen aus Glas, architektonische Skizzen, musikalische Improvation und Streifzüge im öffentlichen Raum lassen flüchtige Topografien entstehen und setzen dem Monumentalen den Moment entgegen. ### Auch Langfilme mit dabei In den Langfilmen begegnen wir sehr persönlichen Auseinandersetzungen mit Orten und ihrem Fortleben in unserer verkörperten und medialen Erinnerung. Ausgangspunkt für Kamal Aljafaris jüngsten Dokumentarfilm sind wiedergefundene MiniDV-Aufnahmen aus Gaza, gefilmt im Jahr 2001. Aljafari begab sich damals auf die Suche nach einem Mann, den er 1989 während der Haft kennengelernt hatte. With Hasan in Gaza (PS/DE/FR/QA 2025) dokumentiert seine Reise vom Norden in den Süden Gazas, begleitet von Hasan, einem einheimischen Reiseführer. Eine in ihrer Direktheit ebenso dringliche wie zarte Begegnung mit Menschen, die der Gewalt der Besatzung widerstehen, an Orten, die so für immer ausgelöscht sind. In einem ganz anderen filmischen Register erzählt der animierte Langfilm Bouchra (US/IT/MA 2025) von Meriem Bennani und Orian Barki von einer jungen marokkanischen Filmemacherin, die in New York an einem autobiografischen Film arbeitet. Ihr eigenes Leben – ihre künstlerische Suche, ihre Liebesbeziehungen, das unklare Verhältnis zur Mutter nach ihrem Coming out –, verschränkt sich zusehends mit dem ihres filmischen Doubles. Bouchra bewegt sich elegant zwischen Zeiten und Orten, Selbstbefragung und Dialog, gelebter Erfahrung und ihren narrativen Verarbeitungen. ### Nicolás Peredas zeigt Leben von drei Komponistinnen in Mexico City Auch in Nicolás Peredas Everything Else is Noise (MX/DE/CA 2026) vermischen sich die narrativen Ebenen. Der Film erzählt von drei zeitgenössischen Komponistinnen in Mexico City und von dem, was sie über sich selbst und über einander zu erzählen haben. Aufnahmen für ein Fernsehinterview in der Wohnung einer der Protagonistinnen setzen den Rahmen für ein Kammerspiel, in dessen Verlauf sich Zuneigung und Solidarität, Respekt und Rivalität zwischen den drei Frauen auf absurd-komische Weise überlagern, rhythmisch punktiert von Stromausfällen, einem bellenden Hund und dem Lärm der Straße. ### Auch historische Dokumentarfilme werden gezeigt Die unmittelbar politischen Dimensionen des Spiels mit Offenbarung und Camouflage der eigenen Person bearbeitet einer der historischen Dokumentarfilme. Underground (US 1976) von Emile de Antonio, Haskell Wexler und Mary Lampson basiert auf einem dreitägigen Interview mit führenden Mitgliedern des Weather Underground, einer militanten Gruppe, die den Umsturz der US-Regierung anstrebte. Im Wechsel mit Archivaufnahmen von revolutionären Bewegungen weltweit verbinden sich die Aussagen der Protagonist*innen – während sie der Kamera den Rücken zukehren, um ihre Identität zu schützen – zu einem differenzierten Porträt, das die massenmediale Darstellung der Gruppe widerlegt. ### Expanded Cinema: Unburdened Recollections Einen Blick zurück wirft auch die diesjährige Ausgabe der Expanded Cinema-Reihe Unburdened Recollections, die mit neuem Konzept fortgesetzt wird. Die Initiatorinnen und Initiatoren Anja Dornieden und Juan David González Monroy haben das Kuratorenduo Mark Toscano und Zena Grey aus Los Angeles eingeladen, an zwei Abenden experimentelle Filme und Videos aus den 1960er und 70er Jahren zu zeigen. Ausgangspunkt ihrer Programme ist Gene Youngbloods Publikation aus dem Jahr 1970, in dem er Expanded Cinema als Kunstform beschreibt, die nicht nur den Film aus den Beschränkungen der Kinosituation befreit, sondern damit auch unsere Wahrnehmung und unser Bewusstsein erweitert. Das 39. European Media Art Festival findet vom 22. bis zum 26. April 2026 statt. Die Ausstellung in der Kunsthalle Osnabrück wird über die Festivallaufzeit hinaus bis zum 25. Mai 2026 zu sehen sein. --- Quelle: Hasepost.de - Die Zeitung für Osnabrück