Mit dem 2:0 der SpVgg Greuther Fürth gegen Rot-Weiss Essen am Dienstagabend ist das Teilnehmerfeld der 2. Bundesliga 2026/27 komplett. Die Franken retteten sich durch das Relegations-Rückspiel ins Unterhaus und sicherten sich das letzte freie Ticket. Für den VfL Osnabrück bedeutet die finale Aufstellung: ein Wiedersehen mit jeder Menge Traditionsklubs, brisante Derbys vor der eigenen Haustür – und ein millionenschwerer Wackelkandidat auf dem Aufstiegsthron, mit dem die Lila-Weißen in der kommenden Saison auf Augenhöhe spielen sollen.
Wolfsburg nach 29 Jahren zurück im Unterhaus
Die wohl größte Schlagzeile schreibt der VfL Wolfsburg. Die Wölfe verloren ihr Relegations-Rückspiel beim SC Paderborn am Pfingstmontag mit 1:2 nach Verlängerung und steigen damit erstmals seit ihrem Aufstieg 1997 wieder in die 2. Bundesliga ab. Eine 29-jährige Bundesliga-Zugehörigkeit – inklusive Meisterschaft 2009, DFB-Pokal-Sieg 2015 und drei Champions-League-Teilnahmen – endet abrupt. Für die kommende Saison wird der VW-Klub trotzdem als großer Favorit auf den Wiederaufstieg gehandelt, und das aus gutem Grund: Trotz angekündigter Etat-Kürzung sollen den Wölfen nach Berichten der „Bild“ rund 55 Millionen Euro für den Kader zur Verfügung stehen – ein absoluter Rekord-Etat für die 2. Bundesliga. Der Marktwert des Wolfsburger Kaders beträgt aktuell laut transfermarkt.de rund 234 Millionen Euro. Allein die Topspieler Mohammed Amoura und Konstantinos Koulierakis sind mehr wert als der gesamte Kader so manchen Zweitligisten. Die klare Konzernvorgabe aus dem VW-Werk wird lauten: sofortiger Wiederaufstieg.
Allerdings dürfte der Kader der Wölfe schon vor dem ersten Spieltag deutlich abgespeckt aussehen. Spieler wie der dänische Nationalspieler Christian Eriksen oder der österreichische Nationalspieler Patrick Wimmer sind laut „Bild“ in der 2. Bundesliga „auf keinen Fall zu halten“. Auch bei Topverdienern wie Amoura, Koulierakis oder Keeper Kamil Grabara werden Abgänge mit großen Ablöseeinnahmen erwartet. Aus lila-weißer VfL-Sicht eine kleine Hoffnung, dass die Niedersachsen-Konkurrenz nicht mit voller Schlagkraft an den Start geht.
Auch die beiden weiteren Bundesliga-Absteiger zählen zu den Mitfavoriten. Der 1. FC Heidenheim spielte zuletzt drei Jahre in der Bundesliga und ist erstmals seit 2023 wieder zweitklassig. Der FC St. Pauli, der zwei Jahre Bundesliga genießen durfte, muss nach dem Abstieg ebenfalls neu planen, kann dafür mit dem Millerntor aber auch auf eine der stimmungsvollsten Heimstätte des Unterhauses zählen.
Arminia Bielefeld als Nachbarschafts-Derby – und drei Niedersachsen-Duelle
Aus VfL-Sicht hält das Teilnehmerfeld einige weitere Leckerbissen bereit. Mit Arminia Bielefeld steht direkt ein klassisches Nachbarschafts-Derby auf dem Programm: Nur rund 43 Kilometer Luftlinie trennen die Bremer Brücke von der Bielefelder SchücoArena auf der Alm. Es ist gleichzeitig die mit Abstand kürzeste Auswärtsreise, die die Lila-Weißen in der kommenden Saison antreten müssen. Auf der anderen Seite der Karte wartet die Mammut-Tour: Beim Drittliga-Aufsteiger Energie Cottbus liegt die Reise bei rund 510 Kilometern Fahrtweg – fünf Stunden im Bus quer durch die Republik.
Dazwischen stehen neben dem VfL Wolfsburg mit Hannover 96 und Eintracht Braunschweig zwei weitere niedersächsische Traditionsvereine bereit. Allein das verspricht insgesamt vier Niedersachsen-Duelle pro Halbrunde. Besonders das Aufeinandertreffen mit Hannover 96 weckt zudem Erinnerungen an die jüngste VfL-Zweitliga-Vergangenheit aus der Saison 2020/21, als die Niedersachsen-Duelle traditionell zu den emotionalsten Heimspielen an der Bremer Brücke zählten.
Traditionsdichte XXL: Kaiserslautern, Nürnberg, Bochum – und das Saisonhighlight im Berliner Olympiastadion
Auch jenseits der Niedersachsen-Achse wartet auf den VfL eine Saison voller großer Namen. Mit dem 1. FC Kaiserslautern, dem 1. FC Nürnberg, dem VfL Bochum, dem Karlsruher SC, Dynamo Dresden, Holstein Kiel, dem 1. FC Magdeburg und dem SV Darmstadt 98 wartet eine Riege aus Traditionsvereinen und ehemaligen Bundesligisten auf die Lila-Weißen, die alle nach dem Wiederaufstieg streben. Ein besonderes Saisonhighlight kündigt sich beim Auswärtsspiel bei Hertha BSC an: Im weiten Rund des Berliner Olympiastadions, das über 70.000 Zuschauer fasst und damit die größte Spielstätte der gesamten Liga ist, dürfte für die mitgereisten VfL-Fans ein unvergesslicher Trip auf dem Programm stehen. Vervollständigt wurde das Teilnehmerfeld zuletzt vom Drittliga-Vizemeister Energie Cottbus, der sich am letzten Spieltag in Regensburg den direkten Aufstieg sicherte, sowie dem Relegations-Sieger SpVgg Greuther Fürth.
Schultz fordert Ende der Fahrstuhlmentalität
Beim VfL Osnabrück wird die kommende Saison dabei nicht als Pflichtübung mit dem alleinigen Ziel Klassenerhalt verstanden. Cheftrainer Timo Schultz hatte bereits Ende April in einem Interview mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ eine klare Marschrichtung ausgegeben. „Wir sollten nicht die Bundesliga als Ziel ausgeben. Aber bei den letzten Aufstiegen des VfL hieß es immer: Das Stadion ist nicht zeitgemäß, die Trainingsbedingungen sind schlecht und die besten drei Spieler waren auch immer direkt weg. Wenn du so schon reingehst in die 2. Liga, dann kannst du das ganze Geld auch sparen“, forderte Schultz dort ein Ende der „Fahrstuhlmentalität“. Auch in einem Interview auf DFB.de im Mai unterstrich der Coach diese Linie: „Nach dem Aufstieg gilt es, in jedem Bereich Schritte nach vorne zu machen, um nicht nur eine Saison in der 2. Bundesliga zu verbringen. Beim Kader werden wir auf den Kern der Aufstiegsmannschaft setzen.“
Abu Hanna verstärkt VfL-Innenverteidigung
Die 53. Spielzeit der 2. Bundesliga startet am 7. August 2026. Bis dahin bleibt den Lila-Weißen Zeit, sich auf die neue Realität vorzubereiten. Einen nächsten Schritt haben die Lila-Weißen am Dienstag mit der Verpflichtung von Joel Abu Hanna unternommen. Der 28-jährige Innenverteidiger kommt ablösefrei vom griechischen Erstligisten Levadiakos an die Bremer Brücke. Ausgebildet wurde der gebürtige Troisdorfer im Nachwuchsleistungszentrum von Bayer 04 Leverkusen, wo er sämtliche Jugendmannschaften durchlief und für mehrere deutsche U-Nationalmannschaften aufgespielt hat. Seine deutschen Profistationen führten ihn anschließend zum 1. FC Kaiserslautern, zum 1. FC Magdeburg und zu Fortuna Köln, ehe Auslandsstationen in der Ukraine, in Polen, in Israel und in Griechenland folgten.
Abu Hanna kann sowohl in der zentralen Verteidigung als auch in einer Dreierkette eingesetzt werden und bringt zudem Erfahrung für die linke Defensivseite mit. „Wir haben für unsere Innenverteidigung nach einem Spieler gesucht, der sportliche Qualität, Erfahrung und Persönlichkeit miteinander verbindet. Joel bringt genau dieses Profil mit“, wird VfL-Direktor Profifußball Joe Enochs in der Vereinsmitteilung zitiert. Ein erster Baustein für eine Saison, in der der VfL gegen 17 mitunter deutlich namhaftere Konkurrenten bestehen will.