# Vampire in Osnabrück: Wie ein Hamburger Autor die Friedensstadt aus der Ferne erfindet Typ: Artikel Veröffentlicht: 2026-10-27T10:31:59+01:00 Zuletzt aktualisiert: 2026-10-27T12:55:41+01:00 Kanonische URL: https://hasepost.de/vampire-in-osnabrueck-wie-ein-hamburger-autor-die-friedensstadt-aus-der-ferne-erfindet-771266/ Kategorie: Aktuell --- Ein Geheimorden, eine rätselhafte Mordserie und Vampire, die älter sind als die Stadtmauern: In seinem Dark-Fantasy-Thriller „Kuss der Kollusion“ schickt David Pansch seine Figuren durch das Osnabrück des Jahres 2009. Das Kuriose daran: Der Autor war noch nie in der Friedensstadt. Ob seine Fantasie der Wirklichkeit standhält, können Osnabrücks Einwohnerinnen und Einwohner selbst herausfinden. ## Eine Stadt im Griff des Unheimlichen Osnabrück, Herbst 2009: Eine Mordserie versetzt die Menschen in Unruhe, doch die Polizei tappt im Dunkeln. Mittendrin ist Mike Winterfeld, ein Student mit einer ungewöhnlichen Begabung. Er kann die Gefühle anderer Menschen wahrnehmen und lernt gerade, seinen Geist vom eigenen Körper zu lösen. Als Juna, ein Mädchen in schwarzen Kleidern, spurlos verschwindet, beginnt Mike nach ihr zu suchen. Seine Nachforschungen führen ihn an Orte, die für gewöhnlich kein Lebender betritt. Bald stößt er auf einen Geheimorden in roten Roben und auf dunkle Mächte, die schon lange vor den heutigen Bewohnern in der Stadt gewesen sein sollen. Und dann ist da noch ein geheimnisvoller Professor, dessen Absichten alles andere als durchsichtig sind. Mit „Kuss der Kollusion“ verbindet David Pansch übernatürliche Fähigkeiten, eine Mordermittlung und düstere Fantasy zu einer Geschichte, in der selbst ein Kuss gefährliche Folgen haben kann. Die Handlung spielt in Osnabrück, doch die Stadtkenntnis des Autors beschränkt sich auf das, was sich aus der Ferne erschließen lässt. ### Satellitenbilder statt Stadtspaziergang Wie kommt man auf die Idee, einen Roman an einem Ort spielen zu lassen, den man nie besucht hat? Bei Pansch war es weniger ein ausgeklügelter Plan als eine praktische Entscheidung. Die erste Fassung des Buches entstand um 2009, als er in Leipzig studierte. Damals schrieb er die Geschichte für seine damalige Freundin. An eine Veröffentlichung dachte er nicht, wie er der HASEPOST verriet. Für die Handlung brauchte er eine Universitätsstadt, die nicht Leipzig sein sollte. Sie sollte einen See und einen Flugplatz in der Nähe haben, außerdem groß genug sein, um eine Mordserie glaubwürdig in Szene zu setzen, aber überschaubar genug, damit ein neuer Professor auffällt. Osnabrück passte auf der Karte ins Konzept. „Ehrlich gesagt, hatte ich das nie vor“, sagt der Autor über die Idee, ausgerechnet eine fremde Stadt zum Schauplatz seines Romans zu machen. Bei der Recherche setzte er vor allem auf Satellitenfotos. Was sich von oben erkennen ließ, übernahm er in die Geschichte: den Dom, die Kirchtürme, das Grün rund um den Schlossgarten, die Universität sowie den Rubbenbruchsee und den Flugplatz Osnabrück-Atter. Alles, was sich nicht aus der Luft betrachten ließ, entstand in seiner Vorstellung. Dazu gehören das Haus des Professors, ein unheimlicher Keller und die Straße, in der Mike sein ganzes Leben verbracht hat. Auch einen Ort für eine nächtliche Zeremonie des Geheimordens hat sich der Autor ausgedacht: ein Forstmuseum. ### Osnabrücker als unfreiwillige Faktenchecker Gerade diese Mischung aus realen Anhaltspunkten und literarischer Freiheit macht den Roman zu einem besonderen Fall. Denn während Leserinnen und Leser an anderen Schauplätzen vor allem der Handlung folgen, können Menschen aus Osnabrück nebenbei überprüfen, wie genau der Autor ihre Stadt getroffen hat. Gibt es am See tatsächlich Privathäuser, deren Bewohner ihre Boote an Bäume binden? Finden sich in der Umgebung verlassene Industriegebiete, wie sie die Geschichte benötigt? Und wie viel von der beschriebenen Atmosphäre passt zum tatsächlichen Osnabrück? David Pansch selbst ist sich bei vielen Details nicht sicher. Das gilt auch für das Wetter. In einer Szene denkt Mike aus der Ferne: „Zu Hause in Osnabrück regnete es vermutlich, wie in all den Nächten zuvor.“ Der Autor ging davon aus, dass es im deutschen Herbst durchaus mehrere Tage hintereinander regnen kann. Ob das für die konkrete Situation in Osnabrück zutrifft, überlässt er den Lesenden. Bewusst verzichtet hat Pansch auf konkrete Straßennamen. Das gilt nicht nur für Osnabrück, sondern auch für Leipzig, das ebenfalls in seiner schriftstellerischen Arbeit eine Rolle spielt. Die Orientierung an realen Orten sollte offenbar nicht zum eigentlichen Thema werden. Nun könnte gerade das Weglassen der Straßennamen die Fantasie der Einheimischen anregen: Wer die Stadt kennt, kann beim Lesen eigene Bilder ergänzen – oder sich an den erfundenen Schauplätzen stoßen. ### Warum die Geschichte im Jahr 2009 spielt Dass „Kuss der Kollusion“ im Herbst 2009 spielt, hat einen einfachen Grund: Damals entstand die erste Fassung. Für die Veröffentlichung hat Pansch den Roman gründlich überarbeitet, die zeitliche Einordnung aber beibehalten. Damit bekommt die Geschichte zugleich einen anderen technischen und gesellschaftlichen Hintergrund als ein Thriller, der heute spielt. Smartphones mit Touchscreen waren damals noch etwas Besonderes, Mike besitzt nicht einmal ein Handy. Nachrichten kommen aus dem Fernsehen und der Zeitung vom Vortag. Für eine Mordserie, bei der die Polizei lange im Dunkeln tappt, ist das ein passender Rahmen. Auch ein Geheimorden kann sich in einer Zeit ohne allgegenwärtige digitale Kommunikation leichter verbergen. Der Herbst liefert die passende Kulisse: frühe Dunkelheit, Regen und eine Stadt, die die Nachrichten über die Mordserie verfolgt, ohne zu ahnen, welche Gefahren sich in ihren Straßen verbergen könnten. ### Der erste Besuch steht noch aus Hinter dem Roman steckt auch eine persönliche Geschichte. Die ursprüngliche Fassung widmete der Autor seiner damaligen Freundin. Die überarbeitete Ausgabe ist seinem Sohn gewidmet. Dass das Buch nach vielen Jahren doch noch erscheint, erklärt er damit, dass er die Geschichte nicht länger nur für sich behalten wollte. Ganz ohne Osnabrück-Erkundung soll es offenbar nicht bleiben. Pansch würde die Stadt gern selbst kennen lernen und sieht sich inzwischen in gewisser Weise dazu verpflichtet. Für eine kleine Tour würde er sich Zeit nehmen, auch wenn ihm diese momentan fehlt. Auf seiner Wunschliste stehen der Rubbenbruchsee, der Flugplatz und die Universität samt Mensa. Besonders reizvoll findet er die Strecke zwischen See und Flugplatz, die er am liebsten auf dem Motorrad zurücklegen würde – so wie Mike im Roman, allerdings deutlich gesetzestreuer. „Kuss der Kollusion“ von David Pansch ist als [E-Book bei Amazon](https://www.amazon.de/dp/B0HNHPJSBC) für 2,99 Euro erhältlich und auch in Kindle Unlimited verfügbar. Eine Taschenbuchausgabe bei epubli soll in Kürze folgen. --- Quelle: HASEPOST – Die Zeitung für Osnabrück