# US-Steuerpflicht trotz Leben in Deutschland: Was amerikanische Expats bei ausländischen Konten beachten müssen Typ: Artikel Veröffentlicht: 2026-09-10T00:43:53+02:00 Zuletzt aktualisiert: 2026-09-10T11:47:01+02:00 Kanonische URL: https://hasepost.de/us-steuerpflicht-trotz-leben-in-deutschland-was-amerikanische-expats-bei-auslaendischen-konten-beachten-muessen-753968/ Kategorie: Deutschland & die Welt --- Viele Amerikaner, die nach Deutschland ziehen, denken, ihre Steuerpflichten enden mit dem Umzug. Doch das stimmt nicht. Als US-Bürger mit Wohnsitz in Deutschland müssen Sie weiterhin amerikanische Steuern melden. Das gilt unabhängig davon, wie lange Sie im Ausland leben oder ob Sie die deutsche Staatsbürgerschaft angenommen haben. Besonders tückisch sind die Meldepflichten für ausländische Konten. Die gute Nachricht: Wer seine Versäumnisse freiwillig nachholt, kann von erleichterten Verfahren profitieren. Die [Vereinfachte Verfahren der IRS zur Einhaltung der Meldepflichten](https://www.taxesforexpats.com/articles/german/irs-streamlined-procedures-steuercompliance-deutschland.html) bieten einen Weg, versäumte Steuererklärungen und Kontomeldungen nachzuholen, bevor die Behörden aktiv werden. ## Wer ist in den USA steuerpflichtig? Die Steuerpflicht in den USA basiert auf der Staatsbürgerschaft, nicht auf dem Wohnsitz. Wenn Sie US-Bürger sind – durch Geburt, Abstammung oder Einbürgerung – müssen Sie Ihr weltweites Einkommen den amerikanischen Steuerbehörden melden, egal wo Sie leben. Dies gilt auch für Green Card-Inhaber und sogenannte „Accidental Americans“. Für Personen mit doppelter Staatsbürgerschaft USA Deutschland bedeutet dies eine doppelte Steuererklärungspflicht. Sie müssen sowohl in Deutschland als auch in den USA ihre Einkünfte melden. Die US-Steuererklärung wird mit dem Formular 1040 eingereicht. ## Die unterschätzte Gefahr: FBAR-Meldepflicht für ausländische Konten Neben der Einkommensteuererklärung gibt es eine zweite, oft übersehene Meldepflicht: den Report of Foreign Bank and Financial Accounts, kurz FBAR. Diese Meldung betrifft alle ausländischen Finanzkonten. Für US-Bürger mit Wohnsitz in Deutschland bedeutet das praktisch jedes deutsche Bankkonto, Wertpapierdepot oder jede Rentenversicherung. ### Wann muss der FBAR eingereicht werden? Die FBAR-Meldepflicht greift, wenn der Gesamtwert Ihrer ausländischen Konten zu irgendeinem Zeitpunkt im Jahr einen bestimmten Schwellenwert überschreitet. Das Formular FinCEN 114 muss elektronisch über das BSA E-Filing System eingereicht werden – nicht zusammen mit Ihrer Steuererklärung. Die Frist ist normalerweise Mitte April, mit automatischer Verlängerung bis Mitte Oktober. Wichtig: Der FBAR ist keine Steuererklärung, sondern eine reine Informationsmeldung an das US-Finanzministerium. Es spielt keine Rolle, ob Ihre Konten steuerpflichtige Einkünfte generiert haben. ### Form 8938: Die zusätzliche IRS-Meldepflicht Neben dem FBAR gibt es noch das Formular 8938 (Statement of Specified Foreign Financial Assets), das direkt mit Ihrer Steuererklärung eingereicht wird. Beide Meldungen überschneiden sich teilweise, haben aber unterschiedliche Schwellenwerte und Anforderungen. Merkmal FBAR (FinCEN 114) Form 8938 Einreichung Separat über BSA E-Filing System Mit der Steuererklärung (Form 1040) Zuständige Behörde US-Finanzministerium IRS Schwellenwert Gilt ab einem bestimmten Gesamtwert Höhere Schwellenwerte für im Ausland lebende Personen Frist Mitte April (automatische Verlängerung bis Mitte Oktober) Zusammen mit der Steuererklärung Strafen bei Nichtmeldung Zivilrechtliche und strafrechtliche Sanktionen möglich Erhebliche Bußgelder pro nicht gemeldetem Konto ## Das deutsch-amerikanische Doppelbesteuerungsabkommen Eine häufige Sorge von Amerikanern in Deutschland betrifft die Doppelbesteuerung. Muss ich auf mein deutsches Gehalt sowohl deutsche als auch amerikanische Steuern zahlen? Hier greift das Doppelbesteuerungsabkommen zwischen Deutschland und den USA (DBA). Das Deutschland USA Steuerabkommen stellt sicher, dass Sie auf dasselbe Einkommen nicht zweimal die volle Steuer zahlen müssen. In der Praxis funktioniert das meist so: Sie zahlen zunächst Steuern in Deutschland, wo Sie wohnen und arbeiten. Anschließend melden Sie dieses Einkommen auch in Ihrer US-Steuererklärung, können aber über das Formular 1116 eine Steuergutschrift (Foreign Tax Credit) für die bereits in Deutschland gezahlten Steuern geltend machen. ### Besondere Steuerrisiken für Doppelstaatsbürger Wer die deutsche und amerikanische Staatsbürgerschaft besitzt, steht vor besonderen Herausforderungen: - Deutsche Mieteinnahmen werden sowohl in Deutschland als auch in den USA besteuert, wobei unterschiedliche Abschreibungsregeln gelten - Kapitalgewinne unterliegen möglicherweise zusätzlich der Net Investment Income Tax in den USA - Deutsche Rentenversicherungen werden steuerlich oft anders behandelt als in Deutschland - Verkauf einer Immobilie kann in beiden Ländern steuerpflichtige Gewinne auslösen ## Strafen bei Nichtbeachtung der Meldepflichten Die Konsequenzen bei Versäumnis der FBAR-Meldung sind erheblich. Die Strafen reichen von zivilrechtlichen Bußgeldern bis zu strafrechtlicher Verfolgung. Selbst bei unabsichtlicher Nichtmeldung können beträchtliche finanzielle Sanktionen verhängt werden. Wichtig: Die IRS unterscheidet zwischen vorsätzlicher und fahrlässiger Nichtmeldung. Wer seine Konten absichtlich verschweigt, riskiert weitaus höhere Strafen als jemand, der seine Pflichten nicht kannte. ## Der Weg zurück in die Compliance Wenn Sie Ihre Meldepflichten bisher nicht erfüllt haben, ist es nie zu spät, dies nachzuholen. Die IRS bietet spezielle Programme an, mit denen Sie versäumte Steuererklärungen und FBAR-Meldungen nachholen können – oft mit reduzierten oder gar keinen Strafen. Die Streamlined Filing Compliance Procedures sind das wichtigste Instrument für im Ausland lebende US-Bürger. Voraussetzung ist, dass Ihre Versäumnisse nicht vorsätzlich waren und die IRS Sie noch nicht kontaktiert hat. Im Rahmen dieses Verfahrens reichen Sie die letzten drei Steuererklärungen sowie die letzten sechs FBAR-Meldungen nach. ### Dokumentation und Aufbewahrungspflichten Für alle gemeldeten ausländischen Konten müssen Sie Unterlagen aufbewahren, die folgende Informationen enthalten: - Name des Kontoinhabers - Kontonummer - Name und Adresse der Bank - Art des Kontos - Höchstwert während des Jahres Diese Unterlagen müssen in der Regel fünf Jahre lang aufbewahrt werden. ## Praktische Schritte für US-Bürger in Deutschland Um Ihre Steuerpflichten als Amerikaner mit Wohnsitz in Deutschland zu erfüllen, sollten Sie folgende Schritte beachten: - Erfassen Sie alle Konten – Listen Sie sämtliche deutschen Bankkonten, Depots, Rentenversicherungen und andere Finanzkonten auf - Prüfen Sie die Schwellenwerte – Bestimmen Sie, ob Sie FBAR und Form 8938 einreichen müssen - Sammeln Sie Steuerdokumente – Holen Sie sich Lohnsteuerbescheinigungen, Depotauszüge und andere relevante Unterlagen aus Deutschland - Reichen Sie Form 1040 ein – Melden Sie Ihr weltweites Einkommen und nutzen Sie gegebenenfalls das Formular 1116 für die Foreign Tax Credit - Reichen Sie FBAR ein – Melden Sie Ihre ausländischen Konten separat über das BSA E-Filing System - Erwägen Sie professionelle Hilfe – Die Steuererklärung USA doppelte Staatsbürgerschaft ist komplex. Ein auf Expat-Steuern spezialisierter Berater kann sich lohnen ## Green Card und Wohnsitz in Deutschland Auch wer keine US-Staatsbürgerschaft besitzt, aber eine Green Card hat, unterliegt den gleichen Meldepflichten. Selbst wenn Sie dauerhaft in Deutschland leben, bleiben Sie steuerlich eine US-Person, bis Sie die Green Card offiziell zurückgeben. Die Rückgabe der Green Card ist ein formaler Prozess, der beim US-Konsulat durchgeführt werden muss. Auch danach kann eine abschließende Steuererklärung erforderlich sein. ## Fazit: Vorsorge ist besser als Nachsorge Die US-Steuerpflicht endet nicht an der deutschen Grenze. Wer als US-Bürger oder Green Card-Inhaber in Deutschland lebt, muss sowohl seine Einkünfte als auch seine ausländischen Konten den amerikanischen Behörden melden. Die Doppelbesteuerung Deutschland USA lässt sich durch das bestehende Steuerabkommen meist vermeiden, doch die Meldepflichten bleiben bestehen. Der wichtigste Rat: Schieben Sie das Thema nicht auf. Je länger Sie mit der Nachholung versäumter Meldungen warten, desto komplizierter und teurer kann es werden. Nutzen Sie die vereinfachten Verfahren der IRS, solange Sie noch nicht unter Prüfung stehen. Mit der richtigen Vorbereitung und professioneller Unterstützung lassen sich die steuerlichen Verpflichtungen für Amerikaner in Deutschland erfolgreich bewältigen. --- Quelle: HASEPOST – Die Zeitung für Osnabrück