# Trotz Rüstungs-Deal: Jeder dritte Volkswagen-Mitarbeiter in Osnabrück soll gehen Typ: Artikel Veröffentlicht: 2026-09-07T12:03:29+02:00 Zuletzt aktualisiert: 2026-09-07T13:54:23+02:00 Kanonische URL: https://hasepost.de/trotz-ruestungs-deal-jeder-dritte-volkswagen-mitarbeiter-in-osnabrueck-soll-gehen-752698/ Kategorie: Aktuell --- Was HASEPOST-Leser bereits am Sonntag wussten, wurde am Montagvormittag (7. September) offiziell bestätigt: Volkswagen will sein Osnabrücker Werk an das Land Niedersachsen und den Finanzinvestor Aurelius übergeben. Aus dem traditionsreichen ehemaligen Karmann-Standort wird ein „Kompetenzzentrum für Sicherheits- und Verteidigungslösungen“. Allerdings zeigen die jetzt bekannt gewordenen Details auch: Nicht alle Arbeitsplätze werden gerettet – und die Beschäftigungsgarantie reicht zunächst nur bis Ende 2029 – jeder Dritte Volkswagen-Mitarbeiter soll nach den Plänen der grün-roten Landesregierung bis dahin seinen Job verlieren, wobei man auch auf Frühverrentung und Altersteilzeit setzt. HASEPOST hatte bereits am Sonntag über den bevorstehenden Rückzug von Volkswagen und den [überraschenden Einstieg des Finanzinvestors Aurelius](https://hasepost.de/volkswagen-osnabrueck-soll-mit-ruestung-jetzt-fuer-rendite-eines-finanzinvestors-sorgen-752254/) berichtet. Am Montag folgte die offizielle Bestätigung durch Volkswagen, die Niedersächsische Staatskanzlei und die Arbeitnehmervertreter. ## Land Niedersachsen und Aurelius wollen VW-Werk übernehmen Die grundsätzliche Richtung entspricht damit genau dem Szenario, über das HASEPOST am Sonntag berichtet hatte: Volkswagen zieht sich aus Osnabrück zurück, das Land Niedersachsen steigt ein und mit Aurelius kommt ein privater Finanzinvestor mit an Bord. Der Standort soll nach dem Ende der Fahrzeugproduktion schrittweise zu einem „Kompetenzzentrum für Sicherheits- und Verteidigungslösungen“ entwickelt werden. Die Produktion des T-Roc Cabriolets läuft wie bereits vereinbart im Spätsommer 2027 aus. Damit endet nach mehr als 125 Jahren zunächst die klassische Automobilproduktion am ehemaligen Karmann-Standort. Zu den ersten neuen Partnern soll der [israelische Rüstungskonzern Rafael Advanced Defense Systems](https://hasepost.de/baut-volkswagen-osnabrueck-bald-den-iron-dome-schutzschirm-aus-israel-695366/) gehören. ### Von aktuell 1.800 Beschäftigten sollen zunächst knapp 1.400 bleiben Neu sind vor allem die konkreten Zahlen für die Beschäftigten. Nach Angaben des Betriebsrats arbeiten derzeit noch rund 1.800 Menschen bei Volkswagen Osnabrück – in der Politik wurde bislang immer von 2.300 bis 2.500 ausgegangen. Für knapp 1.400 der ohnehin schon reduzierten Zahl in der Betrachtung soll die jetzt vereinbarte Lösung zunächst eine Perspektive bieten. Damit sollen etwa drei Viertel der heutigen Arbeitsplätze erhalten bleiben. Allerdings wird auch diese Zahl nicht dauerhaft Bestand haben. Durch Renteneintritte und Altersteilzeit soll die Belegschaft nach Angaben der Arbeitnehmervertretung in der näheren Zukunft auf etwa 1.200 Beschäftigte reduziert werden. Für diese Arbeitsplätze gilt eine Beschäftigungssicherung lediglich bis Ende 2029. Damit wird zugleich klar: Die am Montag verkündete Vereinbarung ist für einen Teil der Belegschaft eine wichtige Absicherung, aber noch keine Garantie für eine dauerhaft gesicherte Beschäftigung weit in die 2030er-Jahre hinein. ### Tarifverträge sollen auch nach Volkswagen bestehen bleiben Für die Beschäftigten besonders wichtig: Der Eigentümerwechsel soll zunächst nichts an den bestehenden arbeitsrechtlichen Bedingungen ändern. Nach Angaben von Betriebsrat und IG Metall bleiben die Tarifbindung in der Metall- und Elektroindustrie sowie sämtliche bestehenden Tarifverträge, Betriebsvereinbarungen und Arbeitsverträge erhalten. Auch die bisherigen Betriebsratsstrukturen sollen fortbestehen. Die Vorsitzende des Volkswagen-Gesamt- und Konzernbetriebsrats Daniela Cavallo bezeichnete die Vereinbarung als „wichtigen Meilenstein für unsere Kolleginnen und Kollegen in Osnabrück“. IG-Metall-Chefin Christiane Benner sieht darin eine industrielle Perspektive für Osnabrück und die Region. Zugleich macht die Gewerkschaft deutlich, dass Volkswagen damit noch nicht aus der Verantwortung entlassen sei: Auch für die Beschäftigten, die nicht in der neuen Struktur unterkommen, müsse der Konzern verlässliche Zukunftsperspektiven schaffen. ### Olaf Lies: Rüstungsindustrie soll langfristige Arbeitsplätze sichern Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies sieht in der neuen Konstruktion eine Chance für den Standort. „Diese Partnerschaft schafft realistische Chancen für langfristig hochwertige Beschäftigung an einem Standort, der seit 125 Jahren für industrielle Exzellenz steht“, erklärte der SPD-Politiker. Lies begründet das Engagement des Landes ausdrücklich auch mit der veränderten Sicherheitslage in Europa. Deutschland und Europa müssten ihre Fähigkeiten in der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie stärken und unabhängiger werden. ### Rafael soll erstes Großprojekt bringen Der erste große Auftrag soll nach aktuellen Berichten aus der Zusammenarbeit mit Rafael kommen. Der israelische Staatskonzern ist vor allem als Entwickler des Raketenabwehrsystems Iron Dome bekannt. HASEPOST hatte auch hierzu [bereits früh über die entsprechenden Gespräche berichtet](https://hasepost.de/baut-volkswagen-osnabrueck-bald-den-iron-dome-schutzschirm-aus-israel-695366/). Nach den bislang bekannten Plänen sollen in Osnabrück allerdings nicht die eigentlichen Abfangraketen gefertigt werden. Im Mittelpunkt stehen vielmehr schwere Fahrzeuge, Abschussvorrichtungen, Generatoren und weitere Komponenten beziehungsweise deren Integration. ### IG Metall: „Jetzt beginnt die eigentliche Arbeit“ Zurückhaltend fällt bei aller Erleichterung auch die Einschätzung der IG Metall aus. Die Gewerkschaft überschrieb ihre Mitteilung am Montag mit: „Osnabrück bleibt Industriestandort – jetzt beginnt die eigentliche Arbeit.“ Tatsächlich dürfte genau darin die entscheidende Aufgabe der kommenden Jahre liegen. Wenn nach dem altersbedingten Personalabbau rund 1.200 Arbeitsplätze dauerhaft erhalten werden sollen, benötigt das ehemalige Volkswagen-Werk genügend Aufträge auch über das Jahr 2029 hinaus. HASEPOST hatte bereits darüber berichtet, dass neben Rafael weitere Rüstungsunternehmen als mögliche Nutzer des großen Werksgeländes im Gespräch waren. Unter anderem prüfte der [Rüstungskonzern KNDS eine Produktion im Fledder](https://hasepost.de/neue-hoffnung-fuer-volkswagen-osnabrueck-niederlaender-pruefen-panzerbau-im-fledder-692264/). Auch Rheinmetall hatte sich mit dem Standort beschäftigt, eine komplette Übernahme später allerdings ausgeschlossen. ### Finanzinvestor Aurelius will Rendite erwirtschaften Eine wesentliche Neuerung gegenüber den seit Monaten bekannten Rafael-Plänen bleibt der Einstieg von Aurelius. Der Finanzinvestor ist auf sogenannte „Carve-outs“ spezialisiert – also auf die Herauslösung von Unternehmen oder Unternehmensteilen aus großen Konzernen und deren anschließende eigenständige Weiterentwicklung. Genau ein solcher Fall entsteht nun offenbar im Osnabrücker Fledder. Dabei ist Aurelius weder ein öffentlicher Rettungsfonds noch selbst ein Rüstungskonzern. Das Geschäftsmodell eines Private-Equity-Investors besteht darin, Beteiligungen zu übernehmen, wirtschaftlich weiterzuentwickeln und damit eine Rendite für seine Kapitalgeber zu erwirtschaften. Für Osnabrück bedeutet das: Der Standort muss nicht nur politisch erwünscht und für die Beschäftigten wichtig sein. Er muss unter der neuen Eigentümerstruktur auch wirtschaftlich funktionieren. Hinweis der Redaktion: Der Artikel wurde um 13:50 Uhr ergänzt und präzisiert: Die Zahl von 1.200 Arbeitsplätzen, die am Standort erhalten bleiben sollen, soll auch durch Frühverrentungen und Altersteilzeit erreicht werden. Zudem wurde herausgestellt, dass Politik und Öffentlichkeit bislang von aktuell rund 2.300 bis 2.500 Beschäftigten am Standort ausgegangen waren – und nicht von lediglich 1.800. --- Quelle: HASEPOST – Die Zeitung für Osnabrück