# Streit um Zensurvorwurf: Merz irritiert Journalisten mit Zitatfreigabe Datum: 15.07.2026 21:34 Kategorie: Deutschland & die Welt URL: https://hasepost.de/streit-um-zensurvorwurf-merz-irritiert-journalisten-mit-zitatfreigabe-732841/ --- Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat mit Aussagen in seiner "Sommerpressekonferenz" neue Kritik der "Westfalenpost" aus Hagen auf sich gezogen. Hintergrund ist ein Pressetermin am Montag im Sauerland, bei dem Journalisten aufgefordert worden sein sollen, wörtliche Zitate vor Veröffentlichung dem Bundespresseamt vorzulegen. ## Streit um Bedingungen eines Pressegesprächs Ausgangspunkt des Konflikts ist ein Gespräch am Hennesee bei Meschede, bei dem es um die Bilanz von Friedrich Merz als Wahlkreisabgeordneter ging. Journalisten waren nach eigenen Angaben aufgefordert worden, wörtliche Zitate des Kanzlers vor der Veröffentlichung dem Bundespresseamt vorzulegen. Diese Zeitung hatte das noch am selben Tag in einer Online-Veröffentlichung als „unüblich“ kritisiert. ### Darstellung des Kanzlers in Berlin Eine Journalistin des Deutschlandfunks machte den Vorgang am Mittwoch in der Bundespressekonferenz in Berlin zum Thema. Und der Bundeskanzler wusste offenbar sofort, worum es geht. Es habe sich am Hennesee um ein „Pressehintergrundgespräch“ gehandelt, bei dem „üblicherweise“ Zitate freigegeben würden, sagte Merz der Hauptstadtpresse. ### Widerspruch aus Hagen „Dieser Darstellung widerspricht die Westfalenpost“, schreibt die Zeitung am Mittwochabend online. Merz habe als Wahlkreisabgeordneter die regionalen Medien zu einem „Sommerpressegespräch“ eingeladen, das nicht als „Hintergrundgespräch“ ausgewiesen worden sei. Und Merz` Sprecher im Wahlkreis habe den anwesenden Journalisten zu Beginn des Termins gesagt, das Gespräch sei „unter 1“. Das bedeutet in der journalistischen Praxis, dass eine Aussage oder Information uneingeschränkt veröffentlicht und zitiert werden darf. Außerdem habe das Bundespresseamt die Aufgabe, die Kommunikation des Bundeskanzlers und der Bundesregierung zu steuern, nicht aber die des Wahlkreisabgeordneten Friedrich Merz, schreibt die „Westfalenpost“ weiter. Die Zeitung deutet an, dass mit dem Vorgehen womöglich die Veröffentlichung von unbedachten Äußerungen verhindert werden sollte. So habe der Kanzler im vergangenen April bei einem Termin in einer Marsberger Schule gesagt, dass US-Präsident Donald Trump kein Konzept im Iran-Krieg habe und die Iraner das amerikanische Volk demütigen würden – was umgehend für Ärger mit dem Weißen Haus sorgte. Außerdem habe Merz im Zuge des Pressetermins im Sauerland Radio- und TV-Kollegen vor dem Mikrofon und der Kamera mit O-Tönen Rede und Antwort gestanden. „Auch aus diesem Grund erscheint die Aufforderung, Zitate vorzulegen, widersinnig“, sagte „Westfalenpost“-Chefredakteur Jost Lübben. --- Quelle: Hasepost.de - Die Zeitung für Osnabrück