# Streit um Kürzung des Unterhaltsvorschusses bis 16 Jahre Datum: 17.07.2026 10:47 Kategorie: Deutschland & die Welt URL: https://hasepost.de/streit-um-kuerzung-des-unterhaltsvorschusses-bis-16-jahre-733301/ --- CDU plant Sparmaßnahme – SPD und Verbände protestieren scharf Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU) will den staatlichen Unterhaltsvorschuss für Kinder von Alleinerziehenden künftig nur noch bis zum 16. statt bis zum 18. Geburtstag zahlen. Betroffen wären rund 80.000 Jugendliche, wie das Familienministerium mitteilt. Prien begründet die Pläne mit Sparvorgaben und verweist auf Einsparungen von mehreren Hundert Millionen Euro für Bund, Länder und Kommunen. Allein der Bund könnte 245 Millionen Euro sparen, wie die Ministerin dem ARD-Hauptstadtstudio sagte. Sie betonte, dass bei Kindern ab 16 Jahren eine Vollzeitberufstätigkeit der Eltern vereinbar sei. Für jüngere Kinder bleibe der Staat in der Verantwortung, da Alleinerziehende dann oft nicht voll arbeiten könnten. Zudem sollen säumige Unterhaltszahler künftig mit Sanktionen wie einem vorübergehenden Entzug der Fahrerlaubnis belegt werden. Der Gesetzentwurf soll noch im Juli in die Regierungsabstimmung gehen, wie Prien ankündigte. ## SPD attackiert Merz wegen Familienkürzung Die Pläne stoßen auf massive Kritik. Manuela Schwesig (SPD), Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, bezeichnete die Kürzung als „falsch“ und verwies darauf, dass auch 16- und 17-Jährige Unterstützung bräuchten. Die familienpolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion, Jasmina Hostert, warf Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) vor, die Lebensrealität von Familien nicht zu kennen. Merz hatte die Kürzung damit begründet, dass Alleinerziehende mit älteren Kindern durch verbesserte Betreuungsangebote mehr arbeiten könnten. Hostert betonte, der Unterhaltsvorschuss sei kein Ersatz für fehlende Erwerbsarbeit, sondern eine Kompensation für ausgefallenen Unterhalt. ### Alleinerziehende wehren sich gegen Kanzler-Aussagen Auch Verbände und Opposition melden sich zu Wort. Daniela Jaspers, Bundesvorsitzende des Verbands alleinerziehender Mütter und Väter, nannte Merz‘ Aussage einen „Schlag ins Gesicht für Alleinerziehende“. Alleinerziehende Mütter arbeiteten bereits häufiger in Vollzeit als Mütter in Paarfamilien, doch das Einkommen reiche oft nicht aus, so Jaspers. Ricarda Lang (Grüne) kritisierte, Merz sei „weit entfernt von der Lebensrealität“ und habe keine anderen Ideen als die Forderung nach mehr Arbeit. Die Linkspartei sprach von „fassungslosen“ Aussagen des Kanzlers. ### Prien lügt über Länder-Konsens bei Kürzung Prien verwies darauf, dass die Entscheidung gemeinsam mit den Ländern getroffen worden sei. Schwesig widersprach dieser Darstellung und betonte, ihr Bundesland unterstütze die Absenkung der Altersgrenze nicht. Bund und Länder hatten den Kommunen zwar Entlastung bei sozialen Leistungen versprochen, doch in Mecklenburg-Vorpommern gibt es eine Protokollerklärung gegen die Kürzung. ### SPD warnt vor Armutsrisiko durch Streichung Die SPD lehnt die Pläne bisher ab. SPD-Generalsekretär Tim Klüssendorf bezeichnete die Kürzung als „Offenbarungseid“ und verwies auf das hohe Armutsrisiko von Alleinerziehenden, die zu über 80 Prozent Frauen sind. Truels Reichardt, Kinderbeauftragter der SPD-Fraktion, warnte, dass die Streichung von rund 400 Euro monatlich für viele Familien eine Katastrophe bedeute. --- Quelle: Hasepost.de - Die Zeitung für Osnabrück