# Steigende Zinskosten treiben EU-Staaten in Schuldenfalle Datum: 02.06.2026 17:59 Kategorie: Deutschland & die Welt URL: https://hasepost.de/steigende-zinskosten-treiben-eu-staaten-in-schuldenfalle-718536/ --- Die Zinskosten entwickeln sich für viele EU-Staaten zu einer immer größeren Belastung. Besonders verschuldete Länder wie Italien, Griechenland und Ungarn trifft der Anstieg der Renditen auf Staatsanleihen hart, während Deutschland bislang vergleichsweise günstig davonkommt. Zugleich wächst an den Finanzmärkten die Sorge vor Inflation, was den Druck auf die Europäische Zentralbank erhöht. ## Hohe Zinslast in Italien, Griechenland und Ungarn Nach Angaben des Magazins „Spiegel“ nehmen die Zinskosten in der Europäischen Union spürbar zu. Italiens Staatsverschuldung beläuft sich demnach inzwischen auf 137 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung. Die staatlichen Zinszahlungen machten im vergangenen Jahr 3,9 Prozent des italienischen Bruttoinlandsprodukts aus, wie Berechnungen des FDP-Europaabgeordneten Moritz Körner auf Basis von Daten der EU-Statistikbehörde Eurostat zeigen. In Griechenland und Ungarn lag die staatliche Zinslast nach diesen Angaben bei über drei Prozent der Wirtschaftsleistung. Deutschland schnitt mit 1,1 Prozent vergleichsweise solide ab. Wegen neuer Milliardenschulden für Verteidigung und Infrastruktur ist jedoch auch hierzulande damit zu rechnen, dass die Zinsausgaben steigen. ### Steigende Renditen und Sorgen vor Inflation Besonders kritisch wäre ein weiterer Zinsanstieg, falls die Europäische Zentralbank (EZB) angesichts des Energiepreisschocks die Leitzinsen anheben sollte. Dann würden zusätzliche Kredite noch teurer. Bereits jetzt wächst laut „Spiegel“ an den Märkten die Sorge vor Inflation, Investoren verkaufen zunehmend Staatsanleihen. Das drückt deren Kurse, treibt aber die Rendite hoch. Selbst die Rendite deutscher zehnjähriger Bundesanleihen liegt mit fast drei Prozent pro Jahr so hoch wie seit 2010 nicht mehr. Die Auswertungen von Körner zeigen dem Bericht zufolge, dass ein Großteil der Neuverschuldung der EU-Länder mittlerweile für Zinskosten aufgewendet wird. Der italienische Staat zahlte im vergangenen Jahr sogar mehr Zinsen, als er neue Schulden aufnahm. Dadurch führt schon der Zinsaufwand zu neuen Schulden, gleichzeitig bleibt wenig Raum für Investitionen in Infrastruktur, Bildung oder Innovationen. Diese gelten wiederum als Grundlage für künftiges Wachstum und steigende Steuereinnahmen. Erschwerend kommt hinzu, dass viele jetzt auslaufende Anleihen in der Niedrigzinsära begeben wurden und nun durch neue Anleihen zu deutlich höheren Zinsen ersetzt werden müssen. ### Warnungen vor einem „ökonomischen Untergangsszenario“ Der FDP-Abgeordnete befürchtet laut „Spiegel“, dass die EZB angesichts dieses Teufelskreises unter Druck geraten könnte, mehr Rücksicht auf überschuldete Staaten zu nehmen. Sollte sie sich deshalb mit Zinserhöhungen zurückhalten, drohe die Inflation, private Ersparnisse zu entwerten, so Körner. Er forderte, dass die Regierungen sparen und priorisieren sollten. „Wenn die EU-Staaten ihre Haushalte weiterhin nicht reformieren, wird ein ökonomisches Untergangsszenario aus Stagflation, Investitionsschwäche und geldpolitischer Ohnmacht nicht mehr verhindert werden können“, warnte der Liberale nach Angaben des „Spiegel“. Auch EZB-Präsidentin Christine Lagarde weist dem Bericht zufolge seit Langem darauf hin, dass es die Aufgabe der Politik und nicht der EZB sei, die Haushalte in Ordnung zu bringen. --- Quelle: Hasepost.de - Die Zeitung für Osnabrück