# So wird Orffs monumentale „Carmina Burana“ am Theater Osnabrück vertanzt Datum: 18.06.2026 11:18 Kategorie: Aktuell URL: https://hasepost.de/so-wird-orffs-monumentale-carmina-burana-am-theater-osnabrueck-vertanzt-723697/ --- Mit dem monumentalen „O Fortuna“ eröffnet und beschließt Carl Orffs „Carmina Burana“ einen Abend über Wandel, Vergänglichkeit und die Unberechenbarkeit des Lebens. Dieses Motiv des sich drehenden Schicksalsrads bildet auch den gedanklichen Kern der Osnabrücker Inszenierung: Die spanische Choreografin Alba Castillo entwickelt gemeinsam mit Dance Company, Chor, Solistinnen und Solisten sowie Orchester ein Tanztheater, das Orffs Werk völlig neu erfahrbar macht. Die mittelalterlichen Texte über Liebe, Lebenslust, Frühling und Vergänglichkeit bieten keinen klassischen Handlungsbogen – und genau daraus gewinnt die Inszenierung ihre Freiheit. Castillo greift Orffs Idee auf, Musik, Gesang und Bewegung als gleichwertige Ausdrucksformen zu verstehen. Ihre persönliche Verbindung zum Werk – als erstes Bühnenerlebnis ihrer Kindheit – spiegelt sich in einer Choreografie, die von Wiederkehr, Veränderung und Kreisläufen geprägt ist. Statt konkrete Szenen abzubilden, übersetzt die Choreografie musikalische Impulse in Bewegung. Gruppen entstehen, zerfallen und formen sich neu. So entsteht ein Bild des Menschen als Teil größerer sozialer und existenzieller Zusammenhänge. Die Tänzerinnen und Tänzer illustrieren die Musik nicht, sondern erweitern sie um eine eindringliche körperliche Ebene. Die Tänzerinnen und Tänzer illustrieren die Musik nicht, sondern erweitern sie um eine eindringliche körperliche Ebene. / Foto: Oliver Look Unterstützt wird dieser Ansatz durch die reduzierte, prägnante Gestaltung. Die Bühne von Darko Petrovic konzentriert sich auf eine offene schwarze Fläche und einen schwebenden Leuchtring, der im Verlauf des Abends unterschiedliche Bedeutungen annimmt – Sonne, Schicksalsrad, Grenze oder Schutzraum. Auch das Licht von Lukas Marian Wiedmer und die Kostüme von Lucia Frische folgen dieser klaren Formsprache und schaffen Kontraste zwischen Beobachtung, Gemeinschaft und Verkörperung. Musikalisch überzeugt die Produktion durch Geschlossenheit und Präsenz. Unter Benjamin Huth entfaltet das Osnabrücker Symphonieorchester Orffs rhythmisch markante Klangwelt differenziert und kraftvoll. Besonders der große Chorapparat – vom Opernchor bis zum Kinder- und Projektchor – sorgt für die charakteristische Wucht des Werks, ohne die feineren Passagen aus dem Blick zu verlieren. Auch die Solistinnen und Solisten setzen präzise Akzente: Susanna Edelmann, Jan Friedrich Eggers und Florian Wugk gestalten ihre Partien mit Ausdruck und Profil. Diese „Carmina Burana“ verzichtet bewusst auf bloßes Monumentalkino und richtet den Blick stattdessen auf das Verhältnis von Individuum und Gemeinschaft, Aufbruch und Verlust. Wenn am Ende „O Fortuna“ erneut erklingt, schließt sich der Kreis – begleitet von begeistertem Applaus. Am Ende gibt es stehende Ovationen für alle Mitwirkenden. / Foto: Dominik Lapp --- Quelle: Hasepost.de - Die Zeitung für Osnabrück