# So werben Linke und Mobilitätsexpertin Katja Diehl für die Verkehrswende in Osnabrück Datum: 16.07.2026 09:25 Kategorie: Aktuell URL: https://hasepost.de/so-werben-linke-und-mobilitaetsexpertin-katja-diehl-fuer-die-verkehrswende-in-osnabrueck-732924/ --- Mit einem Plädoyer für eine sozial gerechte und klimafreundliche Mobilität haben der Osnabrücker Oberbürgermeisterkandidat der Linken, Dr. Thomas Groß, und die Mobilitätsexpertin Katja Diehl kürzlich bei einer Gesprächsrunde in der Lagerhalle für eine grundlegende Neuausrichtung der Verkehrspolitik geworben. Während Groß ein umfangreiches Maßnahmenpaket für Osnabrück vorstellte, warb Diehl für einen Perspektivwechsel: Mobilität müsse sich an den Bedürfnissen aller Menschen orientieren – nicht am Auto. ## Bezahlbarer Nahverkehr als Einstieg Für Dr. Thomas Groß beginnt die Verkehrswende mit einem bezahlbaren öffentlichen Nahverkehr. Das Deutschlandticket müsse sozial gerechter werden. Menschen mit Sozialleistungen sollten ebenso profitieren wie junge Erwachsene, die bisher durch bestehende Ticketmodelle fielen. Als Vorbild nannte er den Kreis Steinfurt, wo ein Sozial-Deutschlandticket für 39 Euro angeboten wird. Langfristig bleibe der Nulltarif im Nahverkehr das Ziel seiner Partei. Aufgrund der angespannten Haushaltslage könne dies jedoch nur mit Unterstützung von Land und Bund erreicht werden. ### Stadtbahn als Rückgrat des Nahverkehrs Ein zentrales Projekt der Linken ist der Bau einer Stadtbahn. Groß verwies auf die bereits vorliegende Machbarkeitsstudie, die drei Linien entlang der heutigen Metrobusachsen vorsieht. Stadtbahnen seien schneller, leistungsfähiger und für viele Menschen attraktiver als Busse. Die Investitionskosten von bis zu 632 Millionen Euro wirkten zwar hoch. Da das Land jedoch bis zu 90 Prozent der Kosten übernehmen könne, sei der Eigenanteil der Stadt überschaubar. Auf mehrere Jahre verteilt könne Osnabrück den Bau finanzieren. Der OB-Kandidat sprach sich außerdem dafür aus, den bestehenden Schienenverkehr stärker zu nutzen. Zusätzliche Bahnhaltepunkte etwa in Eversburg, Lüstringen oder in Stadionnähe sowie langfristig ein Halbstundentakt auf allen Regionalbahnlinien würden die Schiene deutlich attraktiver machen. ### Mehr Busse, bessere Takte Bis zur möglichen Einführung einer Stadtbahn müsse vor allem der Busverkehr verbessert werden. Die Linke fordert einen Zehn-Minuten-Takt auf allen Linien, dichtere Abend- und Wochenendverbindungen sowie einen durchgehenden Nachtverkehr – nicht nur am Wochenende. Zudem sprach sich Groß für mehr Busspuren und eine konsequente Bevorrechtigung von Bussen an Ampeln aus. Den Neumarkt bezeichnete er als unverzichtbaren zentralen Busknotenpunkt. Pläne, den Busverkehr künftig über die Johannisfreiheit umzuleiten, lehnte er entschieden ab. Auch Schnellbusverbindungen in die Nachbarkommunen müssten ausgebaut werden. Diese sollten innerhalb der Stadt nur ausgewählte Haltestellen bedienen, um die Fahrzeiten deutlich zu verkürzen. ### Rad- und Fußverkehr stärken Beim Radverkehr forderte Groß die konsequente Umsetzung des Radentscheids von 2022. Baulich getrennte, mindestens zwei Meter breite Radwege sowie sichere Kreuzungen seien unverzichtbar. Fahrradstraßen müssten ihren Namen verdienen und konsequent vom Durchgangsverkehr freigehalten werden. Auch für Fußgänger sieht Groß erheblichen Nachholbedarf. Er sprach sich für mehr Zebrastreifen, kürzere Wartezeiten an Ampeln und eine vollständige Barrierefreiheit aus. Bedarfsampeln, die erst nach Knopfdruck Grün zeigen, sollten weitgehend abgeschafft werden. ### „Frei ist nur, wer eine Wahl hat“ Katja Diehl knüpfte an die konkreten Vorschläge an und stellte die gesellschaftliche Dimension der Verkehrswende in den Mittelpunkt. Politik brauche nicht nur Maßnahmen, sondern auch eine Vision davon, wie Menschen künftig zusammenleben wollten. Immer wieder betonte sie, dass Mobilität Freiheit bedeute – allerdings nur dann, wenn echte Alternativen vorhanden seien. „Frei ist nur, wer eine Wahl hat“, sagte Diehl. Millionen Menschen könnten oder wollten kein Auto fahren. Für sie müsse Mobilität ebenso selbstverständlich möglich sein wie für Autofahrer. Dabei verwies sie auf Kinder, ältere Menschen, Menschen mit Behinderungen oder Personen mit geringem Einkommen, die häufig unter Mobilitätsarmut litten. Mobilität sei Teil sozialer Gerechtigkeit und dürfe nicht vom Geldbeutel oder der körperlichen Verfassung abhängen. ### Kritik an der autogerechten Stadt Diehl kritisierte, dass der öffentliche Raum seit Jahrzehnten nahezu ausschließlich auf das Auto ausgerichtet werde. Autos stünden den Großteil des Tages ungenutzt auf öffentlichen Flächen, während Orte für Begegnung verloren gegangen seien. Die Verkehrswende bedeute deshalb weit mehr als neue Verkehrsmittel. Es gehe darum, Straßen und Plätze wieder zu Lebensräumen zu machen. Besonders Barrierefreiheit werde noch immer zu häufig vernachlässigt. Sie verwies auf nicht barrierefreie Ladeinfrastruktur und On-Demand-Angebote sowie auf Menschen im Rollstuhl, deren Bedürfnisse regelmäßig übersehen würden. ### Mobilität und Demokratie gehören zusammen Zum Abschluss verband die Mobilitätsexpertin – die mittlerweile in Hamburg lebt, aber im Emsland aufwuchs, in Osnabrück studierte und zehn Jahre lang für die hiesigen Stadtwerke tätig war – die Debatte mit einem gesellschaftspolitischen Appell. Eine Verkehrswende sei nur in einer offenen und solidarischen Gesellschaft möglich. Frieden, Teilhabe und Mobilität gehörten zusammen. Wer Menschen von Mobilität ausschließe, schränke auch ihre Möglichkeiten zur gesellschaftlichen Teilhabe ein. Dr. Thomas Groß zog eine ähnliche Bilanz. Mit einem besseren Nahverkehr, einer Stadtbahn sowie attraktiveren Angeboten für Radfahrer und Fußgänger könne Osnabrück echte Alternativen zum Auto schaffen und langfristig den Anteil nachhaltiger Mobilität deutlich erhöhen. Dafür warb er mit Blick auf die Kommunalwahl im September um Unterstützung. --- Quelle: Hasepost.de - Die Zeitung für Osnabrück