Die Frage nach Umweltspuren auf der Iburger Straße ist schon lange Streitthema zwischen der Osnabrücker Politik, Fahrradverbänden, Klimaaktivisten, Anwohnern und Autofahrern. Doch diejenigen, die die Situation am meisten betrifft, werden häufig in der Debatte um die Iburger Straße außer Acht gelassen: Die Anwohner der Iburger Straße selbst erleben tagtäglich die Gefahrensituationen, die sich an der Iburger Straße ergeben. Im Gespräch mit unserer Redaktion hat nun ein Anwohner, der namentlich nicht genannt werden möchte, dargelegt, wie komplex die Situation eigentlich sei und wie einfach sie seiner Meinung nach doch zu lösen wäre.
Wenn das Verlassen des Hauses schon zur Gefahr wird
Gleich vor seiner Haustür an der Iburger Straße ergibt sich das erste Problem. Der Fußgängerweg ist nur etwa 80 Zentimeter schmal. Häufig würden aber auf dem Fußgängerweg Autofahrer unerlaubt parken, da die Parksituation unübersichtlich und chaotisch sei. Durch diese Enge sei es nicht selten vorgekommen, dass der Mann beim Verlassen des Hauses beinahe von Fahrrad- oder E-Scooter-Fahrern angefahren worden wäre. „Die Radfahrer werden immer schneller, wenn dann jemand mit 20 oder 25 km/h angerast kommt, hat man als Fußgänger, der das Haus verlässt, nichts mehr auszurichten“, so der verärgerte Anwohner. Auch seine 88-jährige Mutter, die mit ihm zusammen wohnt, gerate immer wieder in Gefahrensituationen.
Enge Fuß- und Radwege an der Iburger Straße. / Foto: Lilli Würdemann
Hilfe für Anwohner bleibt aus
Beschwert habe sich der Mann schon bei der Polizei und dem Ordnungsamt. Diese könnten jedoch nach eigener Angabe nichts ausrichten. Dies trifft auf Unverständnis: „Die Polizei kommt erst, wenn etwas passiert ist. Dann ist das Geschrei groß, aber keiner wollte vorher etwas tun.“
Busspur würde Verkehrssituation enorm entlasten
Die Probleme seien jedoch seiner Meinung nach so einfach zu lösen. Eine Busspur, auf der auch die Fahrradfahrer geregelt fahren könnten, wäre eine enorme Entlastung für die Verkehrssituation an der Iburger Straße. Fahrradfahrer könnten so auf die Busspur ausweichen und müssten nicht mehr die engen Radwege benutzen. Dies würde der Verkehrssituation auch entgegenkommen, da nach Angabe des Mannes Radfahrer aus Bequemlichkeit und Zeitstress auch die Radwege entgegengesetzt benutzten würden. Auch Radfahrer, denen das Fahren auf der schmalen Radspur zu unsicher sei, würden auf die Fußgängerwege ausweichen.

Radspur an der Iburger Straße. / Foto: Lilli Würdemann
Unermüdlicher Lärm ist Alltag
Durch den starken Verkehr an der Iburger Straße entsteht zusätzlich großer Lärm, der für die Anwohner der Iburger Straße fast immer zu hören ist. Dies werde auch durch den Verkehr von Lkws verstärkt. „Wenn ich am Küchenfenster für jeden Lkw, den ich zähle, Geld bekommen würde, wäre ich ein gemachter Mann. Die Lkws, die nicht in Osnabrück ausliefern, nehmen die Iburger Straße als Abkürzung zur A30 und fahren dann in Wallenhorst wieder auf die Autobahn auf“, so die Theorie des Anwohners.
Anwohner fühlt sich vom Rat im Stich gelassen
Das Problem in der Politik sieht der Anwohner vor allem darin, dass sich niemand im Stadtrat trauen würde, eine wirklich Entscheidung zu treffen, da durch die Verärgerung der Autofahrer eine Wiederwahl gefährdet sein könnte. „Die Autofahrer werden vielleicht erst verärgert sein, wenn eine Busspur eingerichtet wird. Aber die beruhigen sich wieder und werden sich auch daran gewöhnen“, zeigt sich der Anwohner zuversichtlich. Großer Wunsch des Mannes ist es, dass alle Verkehrsteilnehmer mehr Rücksicht und Achtsamkeit an den Tag legen würden.
Ratsbeschluss war da, kann aber aus rechtlichen Gründen nicht realisiert werden
Der Rat der Stadt hatte bereits im Juli 2025 beschlossen, auf der bislang vierspurigen Bundesstraße zwei Fahrspuren für Busse und Radfahrer umzuwidmen. Eine rechtliche Prüfung der Stadtverwaltung hat kürzlich jedoch ergeben, dass die Einrichtung solcher Spuren wegen negativer Auswirkungen auf Verkehrssicherheit und Verkehrsfluss nicht möglich ist. Das Bürgerbündnis BOB möchte Radfahrer deshalb gern auf eine Alternativroute lotsen.
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